Jugendaustausch
Ein deutsch-russisches und israelisches Osterfest

Herzlich Willkommen in der «multikulturellen Stadt Kaufbeuren» hieß Bürgermeister Gerhard Bucher israelische Schüler. Erst im Jahr zuvor hatte eine Gruppe junger Kaufbeurer, unter ihnen die historisch und gesellschaftspolitisch aktiven «Salzstreuer» vom Jakob-Brucker-Gymnasium, ihren Austauschpartnern in Israel einen Besuch abgestattet. Unter den Programmpunkten, die die deutschen Gastgeber zu bieten hatten, befanden sich ein dreitägiges Seminar in der KZ-Gedenkstätte Dachau, ein Besuch der jüdischen Gemeinde in Augsburg sowie des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg. <%img scl_width='720' scl_height='438' align='right' id='566840'%>

Die Früchte der Begegnungen spiegeln sich im Lob der Teilnehmer wider. Deutschland sei nicht nur ein sehr schönes Land, sondern, verglichen mit dem Manieren ihrer Landsleute, auch ein ausnehmend freundliches Land, erzählt die junge Israelin Veronika Polivoda (17): «Die Leute grüßen auf der Straße, und Männer halten Frauen die Türen auf», fügt sie begeistert hinzu. Was die Integration von Ausländern anbelange, stelle sie allerdings Unterschiede fest. Während im Vielvölkerstaat Israel das Zusammenleben von Juden unterschiedlichster Herkunftsländer zum Alltag gehöre, sei Integration in Deutschland noch deutlich mit einem Kraftakt verbunden.

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Doch dass Integration nicht immer rational planbar ist, beweist nicht zuletzt dieser Austausch. In das Projekt einbezogen waren - sowohl auf israelischer als auch auf deutscher Seite - vor allem aus Russland stammende Jugendliche.

Außerdem, ergänzt Projektleiter Wolfgang Stock von der evangelischen Diakonie Kaufbeuren, seien unter den deutschen Teilnehmern nicht nur die «gymnasialen Überflieger», sondern ebenso Hauptschüler mit guten Russischkenntnissen. Was ihm vorher Kopfzerbrechen bereitet habe, entpuppte sich aber schon bald als Vorteil. Die russische Sprache, so Stock, schlug eine Brücke zwischen der israelischen und der deutschen Kultur und vermittelte den Sprechenden ein Gefühl von Kompetenz. Zwischen den Russischsprachigen sei unabhängig vom jeweiligen Bildungsgrad so etwas wie eine «Seelenverwandtschaft» entstanden.

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Somit sei nicht nur der Kontakt Deutschlands mit dem Nahoststaat erfolgreich zustande gekommen. Auch die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit Migration im eigenen Land sei aktiviert worden.

Der weitere Aufenthalt der israelischen Gäste, die bis einschließlich Freitag in Deutschland weilen, wird durch ein intensives Kulturprogramm geprägt. Da dieses Jahr das christliche Ostern beinahe zeitlich mit dem jüdischen Pessach-Fest zusammenfällt, nehmen die Jugendlichen dies zum Anlass und feiern das Fest in dieser Woche gemeinsam: Nach jüdischem Brauch, jedoch in Deutschland und mit einer Mehrzahl von russisch sprechenden Teilnehmern. (anb)

 

Martin Valdes-Stauber (mittig im roten Pullover) führte die israelischen Jugendlichen durch Kaufbeuren. Foto: Mathias Wild

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