Altusried
Ein Bühnenbild, das es in sich hat

Noch beherrschen Bretterstapel, Gerüste, Gabelstapler und Hebebühne das Bild. Doch bis zur Premiere von «Andreas Hofer» am 20. Juni wird der Altusrieder Bühnenbau-Trupp die Großbaustelle längst in einen imposanten Theaterschauplatz verwandelt haben, auf dem der Tiroler Volksaufstand von 1809 stattfinden kann.

Ein mächtiges, halbfertiges Kirchenschiff liegt zu Füßen der Zuschauertribüne, daneben das Dach, bereit zur Montage. Ein Phantomgerüst am Bach zeigt, wo demnächst der «Sandhof» der Familie Hofer stehen wird. Auf einer großen Plattform jenseits des Baches wird auf fast vier Meter Höhe gehämmert, gesägt und getackert. Stabil muss dieses Podest sein, denn hier oben soll einmal die mächtige Kirche stehen, sechseinhalb Meter hoch, mit einem 14 Meter hohen Turm.

Verzögerung durch Schnee

«Und darunter muss man auch noch durchreiten können», erklärt Josef Prestele. Der Altusrieder Bauhofleiter und seine versierten Helfer lassen hier im Spielgelände ein «Bühnenbild der Superlative» entstehen, das Hanns Schuschnig entworfen hat.

Die Zeit drängt - der lange schneereiche Winter hat die Arbeiten im Freigelände um zwei Wochen verzögert - dennoch gilt für Prestele immer die Devise «Ruhe bewahren». Er weiß, worauf es ankommt.

Denn seit mehr als 30 Jahren ist der Altusrieder als einziger Hauptamtlicher für den Bau des Bühnenbildes zuständig. Sein erstes Projekt waren 1977 die Kulissen für «Andreas Hofer». Doch damals seien die Bauten viel einfacher gewesen - «kleine Hüttele» im Vergleich zu den aktuellen Kulissen. Unverzichtbar ist für Prestele daher der ehrenamtliche Bautrupp: Edmund Baur, Karl Herz, Fridolin Gegenbauer, Martin Müller und Josef Greither werkeln täglich sieben Stunden im Spielgelände. In der Werkstatt wurde bereits ab November so viel wie möglich «vorgeschafft». Jetzt werden vorbereitete Teile vor Ort montiert, verankert, verkleidet.

Am Schauplatz «Versailles» etwa bauen Prestele und Baur gerade einen repräsentativen Bogengang. Die fertigen Rundbögen werden in das Holzskelett des künftigen Schlosses eingepasst, verschalt und später bemalt. Oberstes Prinzip ist auch hierbei die solide Bauweise. «Oben auf dem Turm wird getanzt, da darf nichts schwanken», sagt Baur. Der 74-Jährige gehört seit zehn Jahren zum Bautrupp und bringt wie seine Kollegen nicht nur handwerkliches Können, viel Zeit und Idealismus mit. Auch Improvisieren und geduldiges Tüfteln ist mitunter nötig, um die Entwürfe mit vertretbarem Aufwand realisieren zu können.

Kein Aufwand ist zu groß

Eine große Aktion steht noch Anfang Mai an, wenn ein riesiger Autokran anrücken wird, um Kirchenschiff, -dach und -turm über den Bach an den vorgesehenen Standort zu hieven. Für den diesjährigen «Hofer» - zuletzt 1995, 1977 und 1959 gespielt - scheint ohnehin kein Aufwand zu groß. Zum einen ist es das meist gespielte Stück in Altusried. Zudem fällt die Neuinszenierung von Regisseur Thomas Bayer mit dem 200. Jahrestag des Tiroler Volksaufstandes zusammen. Außerdem wird «Andreas Hofer» zum ersten Mal auf der im Jahr 1999 neu angelegten Freilichtbühne gespielt.

Damit die umjubelten Erfolge und das traurige Ende des Volkshelden Andreas Hofer vor prächtigen Kulissen über die Bühne gehen können, arbeiten Prestele und seine «Manner» täglich sieben bis acht Stunden. «Aber nachmittags um drei gibts ein Bier», verrät Edmund Baur und lacht spitzbübisch.

Spielzeit von «Andreas Hofer»: 20. Juni bis 30. August, jeweils Freitag und Samstag um 20.30 Uhr, Sonntag um 14 Uhr. Karten gibt es unter Telefon 01805/592200.

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