Aussortiert, um neu geliebt zu werden
Ein Blick hinter die Kulissen der Rotkreuz-Kleiderläden

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In den Rotkreuz-Kleiderläden in Kempten und Immenstadt wird gut erhaltene Kleidung und Schuhe für Frauen, Männer und Kinder jeden Alters, aber auch Heimtextilien, Spielzeug, Geschirr, zeitgemäße Bücher sowie CDs zum kleinen Preis verkauft. Was viele nicht wissen: Hier darf wirklich jeder einkaufen. Susanne Kultus leitet die beiden Kleiderläden mit sehr viel Herzblut und aus tiefer Überzeugung. Sie betont: „Unsere `Mode von Mensch zu Mensch´ schont nicht nur Umwelt und Ressourcen, sondern stärkt den sozialen Zusammenhalt in der Region.“ Mit den Erlösen aus dem Verkauf werden lokale soziale Projekte und Dienstleistungen des BRK finanziert. Wir durften einen Blick hinter die Kulissen der Kleiderläden werfen und den Weg der Second-Hand-Stücke vom heimischen Kleiderschrank bis zu den neuen Besitzern verfolgen.

„Ich selber kaufe gar keine Neuware mehr, denn ich bin eine große Befürworterin der Nachhaltigkeit von Secondhandkleidung“, sagt Susanne Kultus - schick und modisch gekleidet - lächelnd. „Wir setzen in unseren Läden auf bunte Vielfalt für die ganz eigene Persönlichkeit. Bei uns kann jeder ganz individuell Passendes fernab des Mode-Mainstreams finden. Hier werden ehemalige Lieblingsstücke des einen schnell zu Glücksfällen für den Nachbesitzer. Das finde ich großartig.“ Langsam aber sicher spreche sich herum, dass man hier tolle Sachen zum Schnäppchenpreis bekomme und vor allem, dass das Angebot für alle Menschen gelte, freut sie sich. „Mittlerweile hat eine ganz breite Bevölkerungsschicht vom Teenie bis zum Oldie das besondere Angebot entdeckt“, schmunzelt sie. Viele Kunden würden regelmäßig vorbeischauen, um in dem täglich bis wöchentlich ergänzten Sortiment zu stöbern und neue Schätze zu entdecken. „Damen- und Kinderbekleidung geht am besten, aber auch die Herren kaufen gerne bei uns ein. Viele Großeltern finden hier schöne Spielsachen und Kinderbücher für ihre Enkel“, erzählt Susanne Kultus. „Was mich freut, ist, das auch vermehrt Studenten und andere jüngere Menschen unsere Läden mehr und mehr für sich entdecken.“
Das vielfältige Sortiment, das fast für jeden Geschmack etwas bietet, kommt auf unterschiedlichen Wegen in die Läden. „Menschen, die Kleidung bei uns spenden wollen, können diese entweder in unsere im Umland aufgestellten Kleidercontainer oder direkt im Kleiderladen in Kempten abgeben“, erklärt die Leiterin. „In der angeschlossenen Zentralsortierung werden alle Kleidungsstücke Schuhe, Taschen, Gürtel und Heimtextilien von ehrenamtlichen Mitarbeitenden auf ihre Brauchbarkeit hin überprüft.“ Beschädigte, schmutzige und nicht mehr tragbare Kleidung gibt das Rote Kreuz an eine Textil-Recycling-Gesellschaft zur weiteren Verwertung. Gegensaisonales wird in Kartons verpackt und in einem Lager deponiert, ebenso wie überschüssige Ware. Die gute, noch brauchbare Ware, kommt - saisonal passend - zum größten Teil direkt in die Läden. Da das Geschäft in Kempten direkt an die Zentralsortierung angeschlossen ist, wird es täglich mit neuer Ware bestückt. Im Immenstädter Laden trifft jeden Montag eine Lieferung neuer gebrauchter Ware ein, die dann in den ansprechend gestalteten und dekorierten Verkaufsräumen angeboten wird.

„Was die Preisgestaltung angeht, so ist es mir wichtig, die Balance zu finden zwischen nicht zu niedrig, weil es sonst leicht als ramschig angesehen wird und nicht zu hoch, weil es sonst überteuert wäre“, weiß Susanne Kultus. „Indem wir sämtliche Waren preisgünstig anbieten, tragen wir dazu bei, Menschen mit einem kleinen finanziellen Budget zu unterstützen. Bei Bedarf ist es zusätzlich möglich, nach Vorlage des aktuellen Einkommensbescheids eine Sozialrabattkarte zu erhalten, die noch einmal 50 Prozent Ermäßigung bietet.“

Aktuell arbeiten in Kempten 27 Damen sowie in Immenstadt elf Damen und ein Herr im Alter zwischen 40 und 79 Jahren ehrenamtlich in den Kleiderläden mit, die meisten von ihnen einmal pro Woche. „Pro Tag gibt es zwei Schichten und die Teams sind in sich immer konstant, so entsteht ein gesundes Teamgefüge. Ein paar Damen sind schon über 20 Jahre dabei.“ Alle Mitarbeitenden empfänden die Tätigkeit als eine schöne Abwechslung. „Die sozialen Kontakte und das gesellige Miteinander werden sehr geschätzt und das Wissen, zu etwas Gutem und Nützlichem beizutragen, bereitet den Helferinnen und dem Helfer viel Freude.“ Spezielle Qualifikationen brauchen die Ehrenamtlichen übrigens nicht. „Wichtig sind Freude am Umgang mit Menschen und Mode.“

Susanne Kultus ist es ein großes Anliegen, dass „ihre“ Läden neben der treuen Stammkundschaft auch viele neue Kunden anlocken. „Ich freue mich immer wieder über jedes neue Gesicht und ermuntere jeden immer wieder gerne, immer mal wieder bei uns hereinzuschauen“, sagt sie. „Denn Second Hand ist nachhaltig, enthält in der Regel keine Schadstoffe mehr und ist einfach in!“

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