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«Ein bisschen französischer werden»

Landwirtschaft und EU: ein Thema von nach wie vor erheblicher Brisanz. Anlass für die Kaufbeurer Landwirtschaftsschule, mit dem CSU-Europaabgeordneten Markus Ferber (Bobingen) einen ausgewiesenen Experten zu einer Gesprächsrunde einzuladen. Dieser war dabei gut gefordert.

Eine Klasse mit angehenden landwirtschaftlichen Betriebsleitern aus dem Raum Ostallgäu - die meisten von ihnen Anfang bis Mitte 20 - stellte zahlreiche, detailreiche Fragen. Etwa, wie er denn als EU-Parlamentarier den Begriff «aktiver Landwirt» definiere. «Das ist jemand, der aktiv bewirtschaftet - und keiner, der einfach nur über Grund und Boden verfügt» - zum Beispiel durch Erbschaft - und deshalb in den Genuss von Fördergeldern aus Brüssel kommen kann.

Ferber berichtete von dem Fall, dass der Flughafen München solche Mittel erhält, weil er Flächen an seinen Rollwegen niedrig mähe, also extensive Landwirtschaft betreibe. «Das kann es nicht sein», so der Politiker, der früher als Ingenieur für Elektrotechnik unter anderem bei Siemens gearbeitet hat. Eine andere Posse: Die EU subventioniert das Essen bei Flügen der Lufthansa zum Beispiel in die USA, «weil es als Lebensmittelexport gilt».

Ferber schimpfte auch auf die Konsequenzen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. «Das macht die Pachtpreise kaputt.» Grundbesitzer könnten ihre Flächen an Solarstromerzeuger verpachten, die wiederum öffentlich subventioniert werden und deshalb hohe Pachten zu zahlen bereit seien. Preise, die ein Landwirt nicht aufbringen kann. «Wir stehen an einem Scheideweg: Stellen wir auf unseren Flächen die Ernährung sicher - oder machen wir in erneuerbare Energien?», meinte Ferber weiter.

Die jungen Landwirte zeigten sich besorgt, dass große Konzerne derzeit in umfangreichem Stil Flächen aufkaufen - als Wertanlage. «Jeder darf in der EU Grund und Boden kaufen. Aber machen Sie sich keine Sorgen. Die Rendite ist denen auf die Dauer zu niedrig. Es handelt sich um Spekulation auf eine Inflation oder dass der Euro kaputt geht.

» Das sei aber Unfug. Nach innen und außen ist die Gemeinschaftswährung laut Ferber äußerst stabil. «Ich empfehle Ihnen jedenfalls nicht, sich über beide Ohren zu verschulden - in der Hoffnung, dass die Inflation Ihre Schulden dann auffrisst. Das wird nicht passieren.»

Kritik an Griechenland wurde in der Runde laut, Ferber nahm die Hellenen aber zum Teil in Schutz. Sie hätten ja nur Olivenöl und Tourismus. Aber wenn man ihnen jetzt hilft, «dann profitieren wir. Die kaufen unsere Autos und unsere Molkereiprodukte». Eine komplette Absage erteilte der Bobinger einem Beitritt der Türkei in die EU. «Allein ein Viertel der EU-Flächenausgleichszahlungen würde in die Türkei gehen, schauen Sie mal auf der Karte, wie groß das Land ist.

» Weitere Themen waren unter anderem die Zukunft der Milchquote und Gentechnik. Mit Letzterer solle man kritisch umgehen. «Der Verbraucher will das nicht.» Und: Während die Italiener das meiste Geld für Kleidung und die Deutschen für Autos ausgäben, so legten die Franzosen ihr Geld vor allem für gutes Essen auf den Tisch. «Wir sollten in Deutschland vielleicht ein bisschen französischer werden», schloss der Gast aus Straßburg.

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