Immenstadt
Ein Beharrlicher und seine akribischen Dokumentationen

Dass das Allgäuer Anzeigeblatt heuer auf sein 150-jähriges Bestehen zurückblicken kann, ist vor allem einem Mann und dessen Beharrlichkeit zu verdanken: Franz Xaver Glötzle. Das verdeutlicht eine Ausstellung im Immenstädter Museum Hofmühle, die den Lithografen, Maler und Verleger würdigt. Zudem veranschaulicht sie 150 Jahre Oberallgäuer Zeitungsgeschichte.

Franz Xaver Glötzle lebte in bescheidenen Verhältnissen, erklärte Walter Kössel, Vorsitzender des Immenstädter Heimatvereins, bei der Ausstellungseröffnung und überließ die Darstellung des Lebensweges Siegbert Eckel, der ehrenamtlich im Stadtarchiv forscht und die Idee zur Ausstellung hatte.

Als uneheliches Kind einer Dienstmagd 1816 in Kempten geboren, wurde Glötzle vom Immenstädter Miniaturmaler Julius Geis in Pflege genommen und im Malen ausgebildet. Vor allem aber förderte der akademische Maler Nicolaus Drexel den talentierten Knaben. Von Drexel erlernte Glötzle das Lithografieren, den Steindruck, in dem er später Postkarten nach eigenen Motiven produzieren sollte.

In diesem Verfahren, aber auch als Gemälde oder Zeichnung, hinterließ Glötzle eine Vielzahl meist kleinformatiger Arbeiten, die das Allgäu detailliert dokumentieren und die ihm seinen Platz in der regionalen Kunstgeschichte sichern: «Glötzle war der erste Vedutenmaler des Allgäus.»

Fortschrittsbegeistert: Auf vielen Bildern dampft ein «Zügle»

Auf vielen dieser Bilder dampft ein «Zügle», wie Eckel beobachtet hat, Zeichen für die Fortschritts-Begeisterung des Franz Xaver Glötzle, die ihn vielleicht auch dazu bewog, 1859 ein erstes «Wochenblatt für die Landgerichtsbezirke Immenstadt und Sonthofen» herauszugeben, handgeschrieben auf vier kleinen Seiten. Nach sechs Monaten musste er es einstellen - die Herstellung erwies sich als unrentabel.

Doch Glötzle ließ sich - durch Schicksalsschläge geprägt - nicht entmutigen und erlernte mit über 40 Jahren ein neues Handwerk: das des Setzers und Buchdruckers. Ein mit dieser neuen Technik herausgegebenes Wochenblatt setzte sich schließlich durch, erschien 1873 erstmals unter dem Titel «Algäuer Anzeigeblatt» und bald darauf in täglichen Ausgaben.

Auch in diesen Blättern finden sich Zeugnisse des Künstlers Glötzle, etwa Lithografien von der verheerenden Überflutung der Stadt 1873. Bestechen viele von Glötzles Arbeiten noch heute durch die Genauigkeit der Darstellung, so zeigt die Ausstellung diesen stets mit der Armut kämpfenden Künstler doch auch als typisches Kind seiner Zeit.

Skizzen des 13-Jährigen offenbaren nicht nur Glötzles zeichnerisches Talent, sondern ein Mädchen- und ein Knabenkopf auch die geglückte Auseinandersetzung mit den Idealen alter italienischer Meister. Eine in Mondlicht getauchte Burgruine vermittelt den Zauber romantischer Malerei. Eher am Rande des Gesamtwerks scheinen religiöse Bilder zu stehen - gehalten in der Tradition der Volkskunst. Doch selbst sie dokumentieren einen Wesenszug des Künstlers: den steten Drang nach Weiterentwicklung.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist bis 4. April zu sehen, jeweils mittwochs bis sonntags von 14 bis 17 Uhr.

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