Notker Wolf
Ein Abt der klaren Worte

Notker Wolf ist unkompliziert, volksnah und heimatverbunden. Diesen Eindruck erweckt der 70-jährige Abtprimas bereits nach wenigen Sätzen auf der Bühne des Kolbe-Hauses. Dabei erzählt er nicht nur über seine Arbeit als oberster Benediktiner der Welt, sondern auch von seiner Kindheit in Bad Grönenbach: «Hier sind meine Wurzeln. Die geben mir Bodenhaftung. Und Bodenhaftung ist wichtig für einen, der so viel in der Luft ist wie ich.»

In der Tat bringt es der Mönch im Jahr auf rund 300000 Flugkilometer, um weltweit Projekte der Benediktiner anzustoßen und voranzubringen. Dazu zählt unter anderem der Bau von Schulen und Krankenhäusern. Allerdings habe er sich nie nach diesem «Job» - wie er das Amt des Abtprimas nennt - gesehnt: «Ich hatte nie Karrieregedanken.» Es sei im Laufe der Zeit halt so gekommen, wie es jetzt ist.

Einen besonderen Bezug zur Kirche bekommen habe er bereits im Alter von zweieinhalb Jahren. Da hatte ihn seine Mutter erstmals in die Messe mitgenommen und auf eine Bank gestellt, damit er alles sehen konnte. «Der gute Weihrauch, die schöne Musik und das Licht» hätten ihn sogleich in den Bann gezogen. Es sei von Anfang an ein positive Erfahrung gewesen. «Daher kann ich gar nicht verstehen, dass manche Menschen Angst vor dem Herrgott haben.»

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«Halber Ort des Teufels»</p>

Ein ungutes Gefühl habe er als Kind lediglich gegenüber der evangelischen Kirche empfunden. «Da hätte ich mich nie rein getraut. Das war ja ein halber Ort des Teufels. Da wäre man sicher schwarz wieder rausgekommen», erzählt Wolf mit einem verschmitzten Lächeln und versichert: «Heute gehe ich natürlich gerne mal in eine evangelische Kirche.»

Ernster wird der 70-Jährige, als es darum geht, dass immer weniger Menschen in die Gotteshäuser kommen. «Der Glaube sagt heute vielen nichts mehr, weil man es ihnen nicht mehr rüber bringt», ist Notker Wolf überzeugt. Dabei erinnert er sich an ein Gespräch mit einem anderen Geistlichen, der von «neuen Strukturen» gesprochen habe, die die Kirche dringend bräuchte. Dem habe er geantwortet: «Ich pfeife auf neue Strukturen.

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Es wird vielmehr Zeit, dass wir wieder mehr mit den Menschen reden - und zwar unkompliziert. Denn wir haben kein Geld und keine Zeit, um kompliziert zu sein.»</p>

Klare Worte findet der Abtprimas auch zu den Missbrauchsfällen in der Kirche. «Hier muss alles auf den Tisch», betont er und regt unter anderem eine bessere Ausbildung der Betreuer in den katholischen Internaten an. «Normale Männer sind nun einmal anfällig für sexuelle Reize - aber die muss man unter Kontrolle halten können.» Wer dagegen pädophil - also krank - sei, müsse aus dem Dienst entfernt werden.

Weitere Berichte über den MZ-Jahresrückblick auf der nächsten Seite.

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