Eigene Klangsprache überzeugt im mobilé

Von Gabriele Schroth Marktoberdorf Das jazzgeneigte handverlesene Publikum genoss im Jazzclub 'mobilé' eine ungewöhnliche, inspirierende zweite Jazznacht. Denn das Arthur Kell Quartett aus Brooklyn und Barcelona entpuppte sich als virtuos eingespieltes Ensemble und nahm das Publikum mit seinem neuen Programm 'traveller' auf eine hoch individuell konzipierte und dabei betörend schöne Klangreise.

Combospiel bedeutet für die Jazzer immer wieder das gemeinsame Eintauchen in eine, wie sie sagen, 'magic world'. Denn die Jazzcombo stellt den höchsten Anspruch an individuelle Ausdruckskunst und zugleich einheitliche Farbtönung. Gerade mit seinen 'traveller'-Kompositionen entwarf Bandleiter Arthur Kell eine absolut eigene Klangsprache. Ein Kunststück war es nun, Musiker für seine Klangvorstellungen zu finden. Vielleicht ist es der Beweis für die Qualität von Musikern, wenn sie die Essenz einer Musik begreifen und zu ihrem ureigenen Ausdruck machen. Die vier Jazzer von Arthur Kells Quartett jedenfalls eröffneten in einem aufregend dicht verwobenen Spiel einen faszinierend einheitlichen luziden Klanghorizont.

Ein Glücksfall also für das 'mobilé'-Publikum, denn auch die Zusammenstellung der Instrumente war interessant. Seit je galt der Bass als pulsierende Seele der Jazzcombo, und auch die tanzenden großen Hände des New Yorker Bassisten Arthur Kell auf den Basssaiten bildeten einen soghaften Blickfang. Das lag auch an seinem schönen alten Instrument österreichischer und symphonischer Provenienz. Und mit seinem schmelzenden intensiven Kontrabassgesang schien er anzuknüpfen an den denkwürdigen 'mobilé'-Auftritt seines New Yorker Basskollegen Reggie Workman vor zehn Jahren. Immer locker, unaufdringlich, dabei überaus farbenreich erwies sich Joe Smith als phantasievoller Banddrummer. Er traf genial die Stimmung seiner Mitspieler und lieferte ihnen ein mitreißend klingendes rhythmisches Gerüst.

Ausschwingende Tonsäulen

Über Bass und Schlagzeug konnten sich die beiden Bandsolisten in ihre ausschwingenden Tonsäulen und Klangeskapaden steigern, und zwar oft im stimmungsvollen Parallelschritt: Gitarrist Steve Cardenas und Saxophonist Gorka Benitez. Der Brooklyner Gitarrist unterlegte das Combospiel mit einem schmelzend melodiösen Klangteppich, gab reiche Farbakzente und ersetzte spielend ein ganzes Klavier mit seinem stupenden Glitzerton-Netzwerk. Ein Klangweichzeichner, der die kleinen Tonverzögerungen seiner E-Gitarre liebt und mit seiner üppigen harmonischen Tonschönheit das Publikum trunken machte. Er flocht traumhafte Klanggirlanden, schwang sich in lichte Höhen und zauberte eine mitreißende Gitarren-Tonspur.

Auch Gorka Benitez versetzte das Publikum in Trance etwa bei 'a hand for santiago' mit weich geblasener Tondelikatesse und unwiderstehlichen Tenorsax-Luftströmen. Vor allem mit seinem hinreißend anmutigen, flinken Querflötenspiel bereicherte er den Combojazz um ein zauberhaft neues Klangelement.

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