Bregenz
Echt polnisch, echt Putzfrau

«Ich hasse putzen. Aber wenn ich putze, putze ich gut», sagt die polnische Putzfrau auf der Bühne. Sie ist echt. Echt polnisch und echt Putzfrau. Vier Frauen sind es insgesamt, die da in knalligen Seidenstrümpfen und hochhackigen Schuhen, vor allem aber mit ungekünsteltem Charme aus ihrem Putzfrauen-Leben erzählen. Und damit Cezary Tomaszewskis Version der Operette «Die lustige Witwe» von Franz Lehár umsetzen.

Laiendarsteller spielen eine wichtige Rolle bei der Veranstaltung «brut@Bregenz», die im Rahmen der Reihe «Kunst aus der Zeit» zweimal auf der Werkstattbühne des Festspielhauses zu sehen war. Bei Tomaszewskis sind es die vier Zugehfrauen, die den Traum vom sozialen Aufstieg der Hanna aus Lehárs Werk träumen. Zumindest zwischen den Zeilen. Denn der polnische Regisseur hat darauf verzichtet, zwischen den Biografien der Zugehfrauen und dem Libretto eine Parallele zu erzwingen.

Der gemeinsame Nenner ist die Musik. Diese tönt aus einem alten Schallplattenspieler und wird vom natürlich nicht perfekten, dafür aber empathischen Gesang der Frauen begleitet. Dabei erzählen sie mal im Vordergrund, mal von der Operette übertönt ihre Lebensgeschichte, woraus sich eine neue, in sich stimmige Einheit ergibt.

Auch beim Stück «SPITZE» von Doris Uhlich, welches den Doppelabend des Wiener Produktionshauses «brut» komplettierte, fand eine kluge Auseinandersetzung von Performancekunst mit einem klassischen Genre statt. In ihrem Fall mit dem Ballett. Drei Menschen - eine Primaballerina außer Dienst, ein noch aktiver Tänzer und eine Ballettanfängerin von gut 30 Jahren - zerlegen auf der Bühne den Code des klassischen Tanzes in seine Einzelteile.

Grotesk wirkt das, wenn beispielsweise der Tänzer sein «Pas de deux» (also das Duett) ohne die Ballerina tanzt. Mechanisch wirken die Gesten, die er ausführt, wenn er seine unsichtbare Partnerin bei den Pirouetten unterstützt, sie hebt oder kippt. Oder die Tänzerin: übertrieben pathetisch wirkt ihre Mimik, wenn der Rest ihres Körpers dem Alltag verhaften bleibt.

Wie mit einem Skalpell legt Uhlich Schicht für Schicht das Innenleben des klassischen Balletts offen und zeigt, dass sich hinter der vermeintlichen Leichtigkeit, vor allem Monotonie und Technik verbergen. Die Choreografin rüttelt am Perfektionismus des Balletts, zum Beispiel in dem sie selbst - über 30 Jahre alt und eher korpulent - auf Spitzenschuhen auftritt. Bei all dem ist es der Künstlerin gelungen, nicht in die Parodie abzudriften.

Dies ist den Auftritten der beiden Künstler gemeinsam. Ihre Inszenierungen sind unterhaltsam, ja manchmal sogar lustig-komisch. Tiefgang lassen sie dabei jedoch nicht vermissen.

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