Sonthofen / Oberallgäu
Dunkle Ecken in der Dealer-Szene

Mit dem Ausleuchten der Drogenhandel-Szene im Oberallgäu haben es Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht nicht immer leicht. Drei Beispiele an einem einzigen Tag vor dem Amtsgericht Sonthofen zeigen dies.

Ein eisern schweigender Haschisch-Konsument, der lieber ins Gefängnis geht als den Namen seines Lieferanten preiszugeben. Ein Zeuge, der womöglich den Verdacht auf einen entfernt bekannten «Kiffer» lenkt, um den wahren Rauschgift-Dealer zu schützen. Und eine Frau, deren Vorstrafenregister darauf hindeutet, dass sie eventuell noch immer als Zwischenhändlerin auftritt. Allerdings fällt die Anklage in sich zusammen, weil der als Zeuge geladene vermeintliche Kunde unglaubwürdig wirkt. Ein Freispruch aus Mangel an Beweisen schwingt daher zwangsläufig bei solchen Gerichtsprozessen mit.

Angst vor dem Lieferanten?

Fall Nummer eins: Da hockt ein junger Mann auf der Anklagebank, den Polizisten wegen anderweitiger Missetaten aus der Haft vorführen und bei dem ein Krümel Haschisch sowie eine gezüchtete Cannabis-Pflanze entdeckt worden waren. Richter Andy Kögl konzentriert sich auf Letzteres, obwohl dem jungen Mann auch noch ein Diebstahl und das Abzweigen von Strom vorgehalten werden. «Wenn Sie Ihre Hintermänner benennen, wäre dies strafmildernd», versucht der Vorsitzende, dem Angeklagten eine goldene Brücke zu bauen. Langes Überlegen, dann ein entschiedenes Kopfschütteln. Da muss wohl die Angst vor dem Dealer größer sein als weiter im Gefängnis zu sitzen, denkt sich der Richter laut. Das Urteil für den Uneinsichtigen: sieben Monate hinter Gittern.

Fall Nummer zwei: Angeblich werden zehn Gramm Marihuana in der Wohnung des Angeklagten an den Drogenabnehmer verkauft, der dies vor Gericht so auch bekundet. Indes tritt ein anderer Zeuge auf, der den Beschuldigten wiederum entlastet. Wer von den beiden lügt nun? Zweifel bei Richter Kögl, wie es wirklich war. Ihm bleibt nichts anderes übrig als den mehrmaligen Rauschgiftkonsumenten, der nun erstmals zum Händler aufgestiegen sein soll, als unbescholten nach Hause zu schicken: Freispruch aus Mangeln an Beweisen.

Fall Nummer drei: Erneut treten der zuletzt als unsicherer Kantonist eingestufte Belastungszeuge und der vorherige Entlastungszeuge vor Gericht auf. Sie sollen beantworten, ob ihnen die angeklagte Frau Haschisch und Amphetamin verkauft habe. «Es ist überhaupt nichts passiert», wehrt sich die Beschuldigte nach Kräften.

Sie kann belegen, dass sie inzwischen sauber ist. Allerdings schleppt sie einige Urteile aus früheren Verfahren mit sich herum, die sie als Dealerin entlarvten. Während ihr Verteidiger einen «totalen Freispruch» für seine Mandantin verlangt, setzt es dann doch eine Geldstrafe von 800 Euro (40 Tagessätze) für die unter offener Bewährung stehende Frau. Zumindest die Aufzucht eines Cannabis-Samenkorns zum Rauschgiftpflänzchen kann ihr nachgewiesen werden.

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