Kokainfund
Drogenaffäre in Kempten: Sind Razzien im Allgäu manipuliert worden?

Zieht die Polizei an einem Strang? Ein heftiger Ehekrach in einem Allgäuer Dorf ist Auslöser für einen Rauschgiftfund bei einem Beamten, der eigentlich für die Drogenbekämpfung zuständig ist. Der unglaubliche Fall offenbart auch Kompetenzgerangel zwischen den Dienststellen.

'Ich bin völlig überrascht, ich hätte die Hand für ihn ins Feuer gelegt.' Das hat gestern ein Nachbar über den 52 Jahre alten Leiter der Kemptener Drogenfahndung gesagt, der seit über einer Woche in Untersuchungshaft sitzt. Der hochrangige Beamte wohnte mit seiner Frau in einem kleinen Ort bei Kempten.

Im Spind des Polizisten waren worden. Der Polizeibeamte war in der Nacht zum 15. Februar festgenommen worden. Zuvor soll es zu einer tätlichen Auseinandersetzung mit seiner Frau gekommen sein. 'Das waren sehr nette Leute und ich habe nie etwas von einem Ehekrach mitbekommen', berichtet der Nachbar, schränkt aber ein: 'Natürlich kann man sich in einem Menschen täuschen.' Manchmal habe der 52-Jährige etwas über die Drogenszene im Allgäu erzählt - ohne ins Detail zu gehen.

In dem Dorf, in dem der Polizist wohnte, hat sich der Vorfall mittlerweile herumgesprochen. 'Die wenigsten kennen die aber', sagt ein Mann auf der Straße. Die Frau des in Untersuchungshaft sitzenden Beamten befindet sich nach Auskunft ihres Anwalts Nicolas Frühsorger 'an einem sicheren Ort, an dem man sie nicht finden kann'.

Der Rechtsanwalt betonte gestern im Gespräch mit der Allgäuer Zeitung, nicht die Frau habe in jener Nacht die Polizei gerufen, sondern Nachbarn hätten einen Rettungswagen angefordert, nachdem sie die körperliche Auseinandersetzung mitbekommen hätten. Die Polizei sei mitgekommen. Frühsorger vermutet nach eigenen Worten, dass der Beamte zunächst wegen versuchten Totschlags festgenommen worden sei. Erst später sei es dann zu dem spektakulären Drogenfund gekommen.

Im Zuge der Affäre hat der Polizeipräsident des Präsidiums Schwaben Süd/West gestern Personalentscheidungen getroffen. Gegen 8.30 Uhr morgens betrat Hans-Jürgen Memel im schwarzen Trachtenjanker den Aufzug zu den Diensträumen der Kriminalpolizeiinspektion für zentrale Aufgaben (KPIZ) im dritten Stock des Neu-Ulmer Polizeikomplexes.

Erste Personalentscheidungen des Polizeipräsidenten

In einem kurzen Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte er bei dieser Gelegenheit, dass , kommissarischer Leiter der KPIZ in Neu-Ulm, mit sofortiger Wirkung nach Kempten zurückkehrt. Müller ist eigentlich Leiter der Kemptener Kriminalpolizei und damit direkter Vorgesetzter des wegen Kokainbesitzes verhafteten Chef-Drogenfahnders. Die Leitung des Rauschgiftkommissariats der Kripo Kempten übernehme übergangsweise ein 'erfahrener Kriminalbeamter'.

Nach Memels Ausführungen werde Albert Müller 'in der derzeitigen Situation dringend in Kempten gebraucht.' Er werde auch die Gelegenheit nutzen, mit den Neu-Ulmer Kollegen über die Spekulationen in der Neu-Ulmer KPIZ zu sprechen, die nach dem brisanten Drogenfund im Spind des Kemptener Hauptkommissars aufgekommen sind. Die Ermittler der Neu-Ulmer KPIZ sind für die Bekämpfung der organisierten Kriminalität im ganzen Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West zuständig.

In der Theorie sollten die Mafiajäger aus Neu-Ulm mit den Kemptener Drogenfahndern an einem Strang ziehen, um gemeinsam den Allgäuer Drogensumpf trockenzulegen. Doch in der Praxis hat es nach Informationen der Allgäuer Zeitung immer wieder Kompetenzgerangel und Eifersüchteleien zwischen der KPIZ in Neu-Ulm und dem übergeordneten Polizeipräsidium in Kempten gegeben.

Nach dem Drogenfund beim Chef-Drogenfahnder in Kempten keimt in den Reihen der Neu-Ulmer Ermittler der Verdacht auf, dieser könne unlautere Kontakte in die Rauschgiftszene unterhalten und etwa geplante Razzien verraten haben. Neue Nahrung haben Spekulationen erhalten, beim Rauswurf des vormaligen KPIZ-Leiters und eines jungen Fahnders, der ausgerechnet in der Kemptener Rauschgiftszene ermittelte, sei etwas faul gewesen. Nach diesem Rauswurf vor einem knappen Jahr hatte Müller, der nun nach Kempten zurückkehrt, die kommissarische Leitung der KPIZ übernommen.

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