Kokain
Drogen-Affäre bei Kemptener Polizei: Landtag will Aufklärung - Innenminister ist entsetzt

Der Allgäuer Drogenskandal sorgt für helle Aufregung - bei der Polizei vor Ort und im Bayerischen Landtag. 'Das ist der Super-Gau schlechthin. Ich war fassungslos und wollte das am Anfang nicht glauben', räumte der Präsident des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, Hans-Jürgen Memel, gestern im Interview mit der Allgäuer Zeitung freimütig ein.

"Das kann doch nicht wahr sein, dass das in Bayern passiert!", sagte der erfahrene Polizei-Experte der SPD, Peter-Paul Gantzer, im Innenausschuss des Landtags. Und auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) machte gegenüber den Abgeordneten seiner Betroffenheit Luft: "Es handelt sich um einen Fall, der mich vom ersten Moment an entsetzt hat."

Nun sind sich alle einig. Im Landtag stimmten gestern alle vier Fraktionen Anträgen von SPD und Grünen zu, in denen eine lückenlose Aufklärung des Falles und ein schnellstmöglicher Bericht über die Vorgänge gefordert wird. Der Innenminister sicherte zu, "genauestens und umfassend aufzuklären", bat aber zugleich um Geduld. Zunächst müsse alles "sorgfältigst ermittelt werden", so Herrmann. Er versicherte: "Das geschieht auch."

"Wir sind durch diesen Fall in die Defensive geraten, obwohl wir von Anfang an alles getan haben, um der Sache auf den Grund zu gehen", bedauerte Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel gestern gegenüber unserer Zeitung. So hätten seine Beamten den Chef der Kemptener Drogenfahndung bereits eine gute Viertelstunde nach Beginn der Fahndung in dessen Auto verhaftet. Ausgangspunkt war in diesem Moment der Vorwurf der häuslichen Gewalt, wegen der die Polizisten gegen 2.30 Uhr nachts zum Wohnhaus des Mannes in eine Oberallgäuer Landgemeinde gerufen worden waren.

"Bei diesem Fall wurde nichts vertuscht und nichts verschleppt", betont der 64-jährige Präsidiumschef. "Wir haben von Anfang an ohne Ansehen der Person ermittelt." Noch bevor im Zug der weiteren Nachforschungen die 1,6 Kilo Kokain in einem Dienstschrank des 52-Jährigen gefunden wurden, hätten die Kemptener Beamten den Fall auf eigenen Wunsch ans Landeskriminalamt abgegeben.

"Wir alle sind über diesen Vorfall noch mehr bestürzt als die Bürger", ist Memel sicher. Es sei fatal, dass ein einzelnes Ereignis nun das Vertrauen in die gesamte Polizei auf eine Belastungsprobe stelle. "Auch wir wollen eine schnellstmögliche und vollumfängliche Aufklärung", so der Polizeipräsident weiter. Dafür seien jedoch umfangreiche Ermittlungen nötig.

Die siebenköpfige Drogenfahndung der Kemptener Kriminalpolizei hat inzwischen einen neuen Chef - allerdings nur kommissarisch: Ein führender Beamter der Kriminalpolizei in Lindau wurde bis auf Weiteres mit der Leitung des verwaisten Kommissariats betraut.

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