Riezlern / Balderschwang
Drei Lawinenabgänge an der Kanzelwand

Bei einem Lawinenabgang in freiem Gelände am Riedbergerhorn ist gestern ein Mann ums Leben gekommen (ausführlicher Bericht siehe Allgäu Rundschau). An der Kanzelwand herrschte zudem Großalarm: Den Tag verteilt lösten Variantenfahrer insgesamt drei Schneebretter los, ein Mann wurde dabei mitgerissen und schwer verletzt. Ein weiteres Schneebrett erreichte die Talabfahrt und beschäftigte die Einsatzkräfte über Stunden. Vier Hubschrauber und 60 Einsatzkräfte inklusive Lawinenhundestaffel aus Vorarlberg und dem Allgäu waren den Tag über an der Kanzelwand im Einsatz.

Mann entfernt sich, ohne sich bei Einsatzkräften abzumelden

Die erste Lawine war gegen Mittag von zwei Variantenfahrern nahe der Gehrenspitze ausgelöst worden, das 120 Meter breite Schneebrett stürzte etwa 60 Meter tief und erreichte unterhalb der Alphütten die Talabfahrt. Mindestens ein Variantenfahrer wurde von der Lawine mitgerissen, konnte sich aber selbst aus den Schneemassen befreien. «Die Schwierigkeit war: Der Mann hat sich entfernt, ohne sich abzumelden - das hat den Einsatz massiv erschwert», sagt Michael Schwärzler von der Polizei Kleinwalsertal. Schmeemassen mit einer Höhe von eineinhalb bis zwei Meter waren auf die Skipiste gerutscht - eine Großsuche wurde eingeleitet.

15 Minuten später ging eine zweite Lawine herunter - erneut ausgelöst durch zwei Skifahrer im freien Gelände, diesmal zwischen Gehrenspitze und Kanonenrohr. Die Beiden wurden vom Schnee erfasst, konnten sich aber selbst ausgraben. Hier konnten die Einsatzkräfte relativ rasch Entwarnung geben.

Helfer finden Verschütteten nach mehr als 45 Minuten

Anders sah dies beim dritten Einsatz am Spätnachmittag aus: Diesmal war eine Gruppe Snowboarder und Skifahrer erneut in diesem Gebiet unterwegs. Als sie ins sogenannte Tal Hinterberg abfuhren, löste sich ein etwa 200 Meter breites Schneebrett, das rund 600 Meter tief stürzte. Ein 23-jähriger Snowboarder wurde von den Schneemassen erfasst und begraben.

Die Einsatzkräfte fanden den Mann erst nach mehr als 45 Minuten - er war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr bei Bewusstsein und wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Sein Zustand war laut Polizei am gestrigen Abend kritisch.

Gestern herrschte Lawinenwarnstufe drei von fünf. Dazu Alexander Ritsch, Obmann der Lawinenwarnkommission im Kleinwalsertal: Die Warnstufe bedeute, dass die Lawinengefahr erheblich sei - und Skifahrer abseits der Pisten Schneebretter leicht auslösen könnten. Zusammengekommen seien vor allem Windverfrachtungen und steigende Temperaturen.

Bürgermeister Werner Strohmaier, Ansprechpartner für die Presse während der Einsätze im Kleinwalsertal, kritisiert: «Die Verantwortungslosigkeit mancher Variantenfahrer bei der bestehenden Lawinensituation ist unfassbar. Für einige Minuten Kick gefährden sie nicht nur sich, sondern etliche andere Menschen.» Bereits in der Frühe habe die Lawinenkommission zahlreiche Sprengungen vorgenommen. Strohmaier betont aber auch: Im normalen, freien Skiraum könnten nicht überall Lawinen abgesprengt werden. «Die Natur hat ihre eigenen Gesetze. Auch - und gerade - Wintersportler haben diese Regeln der Natur zu beachten.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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