Kaufbeuren
Drei junge Mädchen und ein «Hammer-Delikt»

Für den Richter des Kaufbeurer Jugendschöffengerichts war die Tat der drei 15-jährigen Angeklagten ein «Hammer-Delikt». Mitten in Kaufbeuren hatten sie im Fasching drei andere junge Mädchen im Alter von 15 bis 18 Jahren grundlos angegangen. Sie bespuckten, verfolgten und drangsalierten ihre Opfer zum Teil mit Tritten. Das Ganze gipfelte darin, dass der 18-Jährigen gewaltsam eine Packung Likörfläschchen abgeknöpft wurde.

Dass es sich bei dem Vorfall um einen Raub samt gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung handelte, stand vor Gericht außer Zweifel. Er verurteilte schließlich zwei Angeklagte, die bereits wegen Tätlichkeiten mit dem Gesetz in Konflikt gekommen waren, zu Jugend-Bewährungsstrafen von zehn beziehungsweise 16 Monaten. Das dritte Mädchen war bis dato strafrechtlich noch nicht aufgefallen und kam deshalb mit einer richterlichen Verwarnung, einem einwöchigen Dauerarrest und 80 Sozialstunden davon.

Die Mädchen hatten sich seinerzeit zufällig in einem Supermarkt getroffen. Dort stänkerten die Angeklagten die drei anderen jungen Frauen grundlos an. Diese ignorierten die Provokationen - auch dann noch, als sie an der Kasse bespuckt wurden. Dass das Trio den Geschädigten anschließend nach draußen folgte, hatte angeblich den Sinn, den Vorfall «zu klären».

Davon konnte jedoch keine Rede sein: Es sei bei der Aktion einzig und allein um ein «Aufmischen» der Opfer gegangen. Diesen wurde teilweise Kaugummi in die Haare geklebt und farbiges Faschingsspray auf den Kopf gesprüht. Die 18-Jährige erhielt zudem einen Schlag. Außerdem forderten die Angreiferinnen von ihr die Herausgabe der zuvor gekauften Likörfläschchen.

Die junge Frau lief mit einer ihrer Freundinnen davon, wurde aber kurz darauf von zwei Angeklagten eingeholt. Eine trat ihr in den Rücken, die andere in den Bauch und entriss ihr die Getränke. Die 18-Jährige erlitt Prellungen und Blutergüsse - ebenso wie eine weitere Geschädigte, die von der dritten Angeklagten geohrfeigt und in einen Busch geschubst wurde. Nach dem Vorfall hatten sich die Opfer aus Angst vor erneuten Übergriffen teilweise nicht mehr alleine in die Stadt getraut.

Die Angeklagten und ihre Verteidiger waren nun sichtlich darum bemüht, den Geschädigten diese Angst zu nehmen. Nun soll auch ein Gespräch im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs statt finden.

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