Sonthofen / Oberallgäu
Drei Jahre Haft, um Schläger zur Räson zu bringen

Als der junge Mann hören musste, dass er nun drei Jahre hinter Gittern verbringen soll, schlug er die Hände vors Gesicht. Doch das Sonthofer Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richterin Brigitte Gramatte-Dresse sah keine Handhabe mehr, den Heranwachsenden auf andere Weise zur Räson zu bringen. Zusammen mit zwei Kumpanen hatte der Haupttäter nur kurz nach dem Verbüßen eines Jugendarrests einem friedlichen Grillfest in Blaichach ein böses Ende bereitet, wie die Beweisaufnahme ergab. Zwei Festbesucher wurden brutal niedergeschlagen. Einer von ihnen sollte auch noch Geld herausrücken. Dem Urteil lag daher neben dem Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung auch der Versuch einer räuberischen Erpressung zugrunde.

Während sich der zweite Übeltäter bei der Schlägerei noch vor dem Verfahren beim Amtsgericht Sonthofen unerreichbar in sein Heimatland absetzte, saß der dritte Beteiligte mit auf der Anklagebank. Er kam glimpflich davon, weil er im allerletzten Moment und erst nach einer gesonderten Besprechung mit seinem Rechtsanwalt seine vorhergehende Version des Geschehens widerrief und ein Geständnis ablegte. Er hatte die Rauferei, mit einer Holzlatte bewaffnet, zwar abzusichern versucht, aber auch seinen Freund von einem der Opfer weggezogen. Weil er noch keine Vorstrafen hat, wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Allerdings muss er gemeinnützige Arbeit leisten.

Beide Verletzten - der eine brach sich das Handgelenk, der andere erwachte erst im Krankenwagen aus der Bewusstlosigkeit - traten im Gerichtssaal als Zeugen auf, aber auch als Nebenkläger. Die hauptamtliche Richterin und die Staatsanwältin stuften die übereinstimmenden Aussagen der Opfer im Gegensatz zu den Erklärungen der Beschuldigten als glaubwürdig auf. Hingegen redete sich der Hauptbeschuldigte damit heraus, von den Feiernden angepöbelt worden zu sein. Er habe ihnen nur ein bisschen Angst machen wollen.

«Sie wollten Stunk machen»

Dies sah die Staatsanwältin ganz anders: «Sie wollten Stunk machen». Der Anwalt der Nebenkläger griff zu noch drastischeren Worten. «Sie haben sich wie ein kleiner Gangster verhalten», fuhr der Rechtsanwalt den Angeklagten an. Der Nebenklage-Vertreter erinnerte daran, dass sich der mehrfach wegen gefährlicher Körperverletzung und Widerstands gegen Polizisten vorbestrafte junge Mann vor geraumer Zeit sogar im Internet damit gebrüstet habe, den «Immenstädter City-Gangstern» anzugehören.

Das Gericht verhängte schließlich ein Strafmaß gegen den Haupttäter, das sechs Monate über den Forderungen der Staatsanwältin und Nebenklage lag.

«Es gibt keine Möglichkeit einer Bewährung mehr», zielte die Richterin darauf ab, dass der junge Mann während einer laufenden Bewährungszeit rückfällig geworden sei. Zuvor hatten der Pflichtverteidiger und der Vertreter des Jugendamts vergeblich darum gebeten, dem Angeklagten eine letzte Chance in Freiheit zu geben.

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