Kleinwalsertal
Drangvolle Enge in der Christmette

Weihnachten: das Fest der vollen Kirchen. Während an anderen Feiertagen in Gotteshäusern meist bequem ein Sitzplatz zu finden ist, herrscht am Heiligabend drangvolle Enge. Wer spät kommt, muss mit einem Stehplatz vorlieb nehmen; treue Kirchgänger gehen unter in der Masse vieler unbekannter Gesichter. Den Heiligabend-Trubel in seiner Kirche und die Chance, an so einem Tag auch seltene Besucher spirituell zu erreichen, sieht Pfarrer Josef Walter aus Mittelberg mit Skepsis. Er betreut in Mittelberg und Hirschegg knapp 2000 Pfarrgemeindemitglieder und zur Jahreswende, wenn im Walsertal über 12000 Gästebetten gebucht sind, zusätzlich viele Urlauber.

Eine Kinderfeier am Heiligabend hält er nicht. Er erinnert sich, dass in vorigen Jahren auch viele Erwachsene ohne Kinder diesen Gottesdienst besuchten. Der Spätnachmittag zwischen Spaziergang, Essen und Bescherung passte offenbar besser in den Terminplan als die Christmette oder die Eucharistie am Weihnachtsfeiertag. «Vom spirituellen Anspruch und dem liturgischen Ablauf her macht das aber keinen Sinn», meint Walter. Für den Nachwuchs gibt es nun am 28. Dezember (Tag der unschuldigen Kinder) eine besondere Messe.

Pfarrer Walter feiert zwei Christmetten: 21.30 Uhr in Hirschegg, 24 Uhr in Mittelberg. Während um Mitternacht vor allem die Gläubigen kommen, die es gewohnt sind, mitzufeiern und zu singen, besuchten die Christmette um 21.

30 Uhr viele Menschen, die sich sonst eher selten einfänden, hat Walter beobachtet. Das sei auch kein Problem: «Besser ist man bloß eine Stunde dabei, als dass man den christlichen Aspekt von Weihnachten ganz ausblendet.» Leider ließen sich viele der tragenden Gemeindemitglieder vom Gedanken ans Gedrängel in der übervollen Kirche abschrecken, bedauert Walter. «Und wenn manche meinen, sie müssten schon während der Kommunion eiligst wieder hinaus, macht mich das zornig», appelliert er ans nötige Feingefühl.

Der Vorabend zum großen Fest

Die Chance, bei seltenen Gästen an Heiligabend nachhaltig eine neue Beziehung zum Glauben zu erreichen, schätzt er eher als gering ein. Freilich schließt der Geistliche auch nicht aus, dass sich bei dem einen oder anderen ein «Aha-Effekt» einstellt. Nachdenklich macht ihn, dass sich das Weihnachtsfest für die meisten Menschen auf den Heiligabend beschränke, obwohl das nur der Vorabend zum großen Fest sei.

Die Vorverlegung des Christfestes in den Advent mit glitzernden Christbäumen und greller Weihnachtsbeleuchtung stimmt Walter traurig: «Man hält es scheinbar nicht mehr aus, den Advent als Zeit der Einkehr zu betrachten.» Und auch wenn es manchen wundern mag: Am Christbaum vor der Pfarrkirche St. Jodok in Mittelberg brennen die Kerzen erst an Heiligabend - ganz so, wie es sich gehört.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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