Doris Dörrie genießt die leisen Momente im Leben

Bernbeuren/Wies (lik). Rund 70 Interessierte waren zum zweiten Abend der Begegnungsreihe 'Menschen, die bewegen…' in die Landvolkshochschule Wies gekommen. Dazu hatte diesmal die bekannte Autorin und Filmproduzentin Doris Dörrie als Überraschungsgast zugesagt. Die Begegnungsreihe ist eine Kooperation der Landvolkshochschule Wies und der Landvolkgemeinschaft im Dekanat Schongau.

Die Filmhochschulprofessorin Dörrie beantwortete an dem Abend in einem sehr offenen Gespräch zahlreiche Fragen von Pfarrer Rainer Remmele, Leiter der Landvolkshochschule Wies, und Josef Lieb, Vorsitzender der Landvolkgemeinschaft im Dekanat Schongau. Zu den wichtigsten Stationen ihres Lebens zählen nach Dörries Angaben die kleine Wohnung, in der sie mit ihren drei Schwestern ihre Kindheit verbrachte, das Studium in Amerika und München sowie das heutige Bernbeurer Zuhause, das nach 17 Jahren 'so etwas wie Heimat' geworden sei.

Auf die Frage, was für sie Glück ist, beschrieb Dörrie, dass es wichtig sei, das Leben zu entschleunigen, um bestimmte leise Momente nicht zu verpassen. 'Erlebt man mehr, wenn man weniger erlebt?', gab sie den Anwesenden zum Nachdenken mit auf den Weg.

Nachdem zunächst die Lust am Schreiben da war, inzwischen auch schon einige Filme von ihr über die Leinwand liefen, inszeniert Doris Dörrie seit fünf Jahren Opern. Da dort viele filmische Elemente verwendet werden, seien diese Werke vor allem für ein junges und skeptisches Publikum gedacht. Kritik von erfahrenen Operngängern an ihrem moderneren Stil störe sie nicht, sagte Dörrie. 'Damit muss man rechnen.'

Im Laufe des Abends berichtete die Autorin auch über ihre zahlreichen Reisen, die sie zum Beispiel nach Asien, Mexiko und Spanien führten und die ihr die unterschiedlichsten Kulturen aufgezeigt haben. Dörrie befasst sich zudem viel mit den verschiedenen Weltreligionen. Während die katholische Kirche zahlreiche Rituale und Bilder hat, besticht der protestantische Glaube durch die Leere und Formlosigkeit der Kirchen, verglich sie. Bei der Trauerbewältigung, als ihr Mann früh verstarb, half ihr dagegen die buddhistische Praxis mit Atem- und Gehmeditationen weiter, was Dörrie im Buch 'Das blaue Kleid' beschreibt.

Neuer Film über Essen und Kochen

Diskutiert wurde an dem Abend auch über Dörries nächsten Film, der viel mit Essen und Kochen zu tun haben wird, da diese kulturelle Errungenschaft 'leider immer mehr verloren geht', so die Produzentin. Als Beweggründe für ihre künstlerischen Tätigkeiten gab Dörrie an, für sich selbst Erkenntnisse ziehen zu wollen und diese mit anderen zu teilen.

Abschließend kam Dörrie auf ihren Wohnort Bernbeuren zu sprechen, in dem es vor 17 Jahren noch in jedem Haus in ihrer Straße Kühe gab, nun jedoch keine einzige mehr vorhanden sei. In diesem Zusammenhang forderte sie, dass die Verbraucher wieder mehr Geld für 'qualitativ gute und lokale Produkte' zahlen sollten. Bei den Worten 'Wir setzen jetzt den Milchpreis rauf', erhielt sie großen Beifall von den Zuhörern.

Die Begegnungsreihe 'Menschen, die bewegen...' umfasst insgesamt vier Abende, an denen Pfarrer Remmele und Josef Lieb einen Gast einladen, der bereits viele Dinge bewegt hat.

iWeitere Veranstaltungen in dieser Reihe sind am 10. Januar und 14. Februar, jeweils um 20 Uhr, geplant.

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