Memmingen
Doppel-Weltmeister im Visier

Zwei Weltmeister-Titel hat Martin Heuberger (45) zuletzt gewonnen: Mit der Handball-Nationalmannschaft feierte er 2007, mit den Junioren vor wenigen Wochen. Zu Kopf gestiegen ist ihm dies nicht, vorgestern in Memmingen gab sich der Erfolgstrainer volksnah, engagiert und fachkundig. Die Memminger Zeitung hat Heuberger, der auf Einladung des «Freundeskreises der Handballer des TV Memmingen» einen halben Tag in der Stadt weilte, begleitet.

Begrüßung mit Geschenk: Um 15 Uhr wird Heuberger im Rathaus von Bürgermeisterin Claudia Knoll empfangen. Knoll überreicht einen Bildband der Stadt Memmingen.

100 Interessierte

Stolze Schüler: Heuberger wird für eine Stunde zum Sportlehrer. Routiniert und gut gelaunt erläutert er Schülern des Buxheimer Gymnasiums Marianum seine Philosophie über Handball. Der Mann aus dem südbadischen Schutterwald ist schnörkellos in seinen Ansagen und vermittelt den Kindern im Alter von zwölf bis 15 Jahren Spaß am Spiel. Weil der Coach mit einem Headset-Mikrofon ausgestattet ist, bekommen auch die rund 100 Zuschauer in der Halle alle Anweisungen mit. Die Kinder geben beim Training alles und sind nach der Übungseinheit begeistert davon, mit einem Doppel-Weltmeister trainiert zu haben.

Früher Dienstschluss: Nach dem Training mit den Kindern ist Heuberger richtig in Fahrt und nimmt die Bezirksoberliga-Handballer des TV Memmingen ins Visier. Heuberger lässt unter anderem schnelle Pass-Folgen trainieren. Auf der Tribüne sitzen TVM-Spielertrainer Daniel Berkessel und Jugendleiter Tadeusz Polyfka. «Das Training ist gut strukturiert. Einige aus dem Verein haben heute ihre Arbeitsplätze früher verlassen, nur um hier sein zu können», erzählt Polyfka. Ein weiterer Beobachter merkt an: «Da war ganz schön Tempo drin - für einige Memminger Spieler war das fast zu schnell.»

Werbung in eigener Sache: Nach zwei Trainingseinheiten erhält Heuberger seine wohlverdiente Pause, ehe er in der Aula der FOS/BOS einen Vortrag zum Thema «Rahmentrainingskonzeption des Deutschen Handball Bundes» hält. «Der Handball hat in Deutschland eine ungeahnte Popularität erreicht», stellt er fest. Das Spiel sei wesentlich schneller geworden, die technisch-taktischen Anforderungen an die Spieler gewachsen. Der Experte belegt dies anhand von Videobildern und vergleicht Gegenwart und Vergangenheit. Die Besucher staunen über die fast statische Art, mit der - im Vergleich zu heute - vor gut 25 Jahren Handball gespielt wurde. Heuberger schmunzelt: «Ja, bei denen damals war ich auch dabei.»

Heuberger appelliert, der Ausbildung von jungen Spielern den «Vorrang vor dem kurzfristigen Erfolg» zu geben und kritisiert die Anzahl der ausländischen Spieler in der deutschen Eliteliga. «Unsere Talente brauchen mehr Einsätze.» Ferner macht er deutlich, dass nicht zuletzt die Schulen die motorische und koordinative Erstausbildung bei Kindern übernehmen müssten.

Lebhafte Debatte: Heubergers Referat liefert gleich mehrere Vorlagen für die Podiumsdiskussion auf dem - passend zu den Vereinsfarben des TVM - roten Sofa. Heuberger, TVM-Trainer Daniel Berkessel, -Abteilungsleiter Andreas Kurz, Christoph Mussack (Sportlehrer am Marianum) und Roland Merkle (Bayerischer Handballverband, Bezirk Alpenvorland) diskutierten mehr als eine Stunde angeregt mit Moderator Michael Denkinger (Memminger Zeitung) über Handball, aber auch sport- und gesellschaftspolitische Themen.

Ein zentrales Thema ist zum Beispiel der Mangel an Bewegung bei Kindern. Die motorische Entwicklung von Kindern «beginnt bereits im Elternhaus», sagt Kurz. Mussack weist nebst weiterem auf die Streichung von Sportstunden hin, stellt aber klar, dass es am Marianum «Zusatzangebote auf freiwilliger Basis» gibt. Ferner geht es um Spielsysteme, Talenförderung sowie die Zusammenarbeit zwischen Verbänden und Vereinen. Berkessel sagt, er wolle beim TVM «Talente aus den eigenen Reihen an den Erwachsenenbereich heranführen». Merkle zeigt Ansätze für eine noch bessere Zusammenarbeit zwischen Verband und Vereinen auf.

Zuhörer Herbert Walter, Jugendtrainer beim TVM, wendet sich an Heuberger und kritisiert die Vorgabe des Verbandes, in der Abwehr mit einer 3:3-Deckung spielen zu müssen.

Heuberger beantwortet geduldig alle Fragen und zieht am späten Abend ein positives Fazit: «Man hat mich mit Herzlichkeit empfangen. Die familiäre Atmosphäre hat mir sehr gut gefallen. Man sieht, dass beim TV Memmingen im Jubiläumsjahr Aufbruchstimmung herrscht.»

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