Integration
Diskussionsrunde zum 20-jährigen Bestehen des Behindertenbeirates in Memmingen

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Wo stehen Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft und konkret in unserer Stadt? Eher am Rande oder im Zentrum? Seit 20 Jahren gibt es in Memmingen einen Behindertenbeirat. Bei einer Gesprächsrunde im Rathaus aus Anlass dieses Jubiläums wurde deutlich: Durch die Arbeit des Gremiums wurde in der Stadt viel bewegt - und zwar bei der praktischen Gestaltung der Stadt, aber auch in den Köpfen der Bürger.

Vor 40 Jahren kam Heidi Dintel, heute Behindertenbeauftragte der Stadt, nach Memmingen. Sie und ihr Mann, beide Rollstuhlfahrer, seien damals noch «die bunten Hunde im Stadtbild» gewesen, erzählte sie. Ein Rollstuhlfahrer sei damals nur mit großen Anstrengungen ins Hallenbad oder ins Theater gekommen.

«Wir haben verdammt hart kämpfen müssen»

«Alleine konnten wir so gut wie nirgends teilhaben am öffentlichen Leben der Stadt», ergänzte Verena Gotzes, Vorsitzende des Memminger Behindertenbeirats. Eine starke Interessenvertretung sollte die Situation verbessern. Keine leichte Aufgabe, wie sich herausstellte. «Wir haben zwei Jahre lang verdammt hart kämpfen müssen, damit wir den Beirat gekriegt haben», betonte Gotzes.

Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger räumte ein, dass man durch den Umbau des Hallhofs, der mit zu großen Steinen gepflastert worden sei, gelernt habe. «Aber ernst genommen hat man die Belange von Menschen mit Behinderung schon immer», sagte er.

Gotzes sprach dem Oberbürgermeister Dank aus für seine Unterstützung, er habe in all den Jahren keine einzige Sitzung des Beirats verpasst. «Wir haben uns viel gezofft, aber dann war es auch wieder gut», sagte Gotzes.

Jeder zehnte Memminger lebe heute mit einer Behinderung, informierte Manfred Jörg, Redakteur der Memminger Zeitung, der die Runde moderierte. Für diese große Gesellschaftsgruppe sei viel erreicht worden, so Verena Gotzes.

Bei den bedeutenden Bauprojekten in der Stadt habe man auf Barrierefreiheit geachtet. Sie erwähnte hierbei lobend den Weinmarkt, den Schrannenplatz oder auch das Stadttheater. Noch nicht verwirklicht sei ein Aufzug am Rathaus. Heidi Dintel erwähnte den Bau des Cineplex kritisch und nannte ihn die «größte Frustration» für Menschen mit Behinderung.

«Inklusion muss in vielen kleinen Schritten erreicht werden»

Inklusion müsse in vielen kleinen Schritten erreicht werden, sagte Stadtrat und Mitglied im Behindertenbeirat Hans Ferk. Er nannte das Projekt mit Kooperationsklassen der Notker- und der Elsbethenschule vorbildlich. «Kinder ohne Behinderung gehen dabei in eine Schule für Kinder mit geistiger Behinderung, nicht umgekehrt.»

Irmgard Badura, Beauftragte der Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, lobte die Vertrautheit im Memminger Behindertenbeirat. «Sie sind sich sehr nah, da redet man leichter miteinander.»

Gotzes und Dintel machten mit zahlreichen Ehrungen deutlich, dass viele engagierte Bürger Anteil an den Errungenschaften der vergangenen 20 Jahre haben.

Heidi Dintel

Verena Gotzes

Hans Ferk

Irmgard Badura

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