Diskussionen um Lichtempfehlungen am Tage

Wien/Bonn (dpa/tmn) - Die Empfehlungen der Autoclubs und Verkehrsexperten in Deutschland lauten seit Jahren gleich: Die Sicherheit im Straßenverkehr wird erhöht, wenn Autofahrer auch tagsüber das Licht einschalten.

So werden sie besser erkannt und können Entgegenkommende früher erkennen. Nun allerdings kommt Bewegung in das Thema: In Österreich wird die geltende Lichtpflicht möglicherweise bald schon der Vergangenheit angehören - Grund sind Gefahren durch das eingeschaltete Abblendlicht am Tage.

Während es in Deutschland bisher bei Empfehlungen geblieben ist, wurde in Österreich im Jahr 2005 die Lichtpflicht eingeführt. Nun ist eine Studie im Auftrag des Verkehrsministeriums des Landes zu einem Ergebnis gekommen, das Befürworter der Pflicht kalt erwischt hat: Demnach ist das Einschalten der Scheinwerfer am Tage nicht nur unnütz, sondern auch gefährlich.

Laut Martin Hoffer, Jurist des Österreichischen Automobil-, Motorrad- und Touring Clubs (ÖAMTC) in Wien, gab es auch im ÖAMTC gespaltene Positionen. Man habe sich dann für die Lichtpflicht ausgesprochen, da die Vorteile größer schienen. «Wir müssen aber auch anerkennen, dass es Nachteile geben kann. Dazu zählt der höhere Lampenverbrauch und ein marginal höherer Kraftstoffkonsum.»

Der andere Teil bezieht sich auf mögliche Gefährdungen: «Hingewiesen wird darauf, dass es durch die beleuchteten Fahrzeuge zu Ablenkungen kommen kann, so dass schlechter beleuchtete Verkehrsteilnehmer weniger Aufmerksamkeit erregen.» Was das zumindest in Österreich zur Folge haben könnte, ist für Hoffer klar: «Wir gehen derzeit davon aus, dass die Lichtpflicht in Österreich kippt.»

In Deutschland bleiben die meisten Experten dagegen bei ihren Empfehlungen, das Licht auch am Tage einzuschalten. Hingewiesen wird jedoch darauf, dass die aktuell eingesetzte Leuchtentechnik nicht optimal ist. Denn wenn ein Autofahrer am Tage das Licht einschaltet, handelt es sich in aller Regel um das sogenannte Abblendlicht.

Das Abblendlicht ist jedoch für einen anderen Zweck gedacht. «Das Abblendlicht dient dazu, bei Dunkelheit die Fahrbahn auszuleuchten», erklärt ADAC-Sprecher Vincenzo Lucà in München. Es wurde also nicht konstruiert, um ein Fahrzeug bei Tage besser erkennbar zu machen. Ganz anders sieht es laut Lucà bei den Tagfahrleuchten aus: «Es handelt sich dabei eher um eine Art von Positionslicht.»

Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn bleibt bei seiner Empfehlung, tagsüber mit Licht zu fahren - sieht aber ebenfalls das Problem. «Das Abblendlicht am Tag ist auch für uns nur ein Übergang», sagt Sprecher Werner Sauerhöfer. «Zu bevorzugen ist das Tagfahrlicht mit Leuchtdioden, den LEDs.» Laut dem Hersteller Hella in Lippstadt halten LEDs ein Autoleben lang, was das Problem des Verschleißes herkömmlicher Lampen beseitigt. Außerdem benötigen sie weniger Energie, was den Sprit-Mehrverbrauch reduzieren soll.

Allerdings gibt es ein weiteres Problem. Bislang ist es nicht zu einer europaweiten Einigung gekommen, Tagfahrleuchten vorzuschreiben. «Wenn etwas nicht gesetzlich geregelt ist, dann machen es eben auch nicht alle», so Vincenzo Lucà. So statten zwar einige Autohersteller ihre Fahrzeuge entsprechend aus, aber eben längst nicht alle. Insgesamt wird laut Lucà ohnehin erst die Zukunft zeigen, wie sinnvoll oder überflüssig das Einschalten des Lichts am Tage ist: «Letztendlich hängt alles von der Entwicklung der Unfallzahlen ab.»

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