Berufsschule
Diskussion über die Folgen des demografischen Wandels auf den Wirtschaftsstandort

Die Menschen in Deutschland werden immer älter, bekommen aber gleichzeitig weniger Kinder. Der demografische Wandel macht sich auch an der Kaufbeurer Berufsschule bemerkbar. Manche Klassen schrumpfen, viele Betriebe finden keinen Nachwuchs. Dieses Dilemma stand im Mittelpunkt eines Vortrags des Allgäuer Demografieexperten Frederic Littschwager mit anschließender Diskussion in der Kaufbeurer Berufsschule.

Die Herausforderungen seien, gleichzeitig den Ansprüchen der älteren Bevölkerung nachzukommen, aber die Jugend nicht zu verlieren, so Unternehmensberater Littschwager. Er befasste sich mit der Altersstruktur sowie der Zu- und Abwanderung in der Region. Im Vergleich zum restlichen Allgäu schrumpfe die Kaufbeurer Bevölkerung. Die Stadt liege deutlich über dem Durchschnitt, was die Zahl der abwandernden 16- bis 25-Jährigen betreffe. Dies müsse verhindert werden. «Kaufbeuren preist sich als familienfreundliche Stadt, jetzt muss sie den nächsten Schritt tun und bildungsfreundlich werden», so der Experte.

Damit war die Grundlage für die anschließende Diskussion gelegt. Durch einen Strukturwandel, bei dem bestimmte Berufe in andere Berufsschulen verlegt wurden, habe die Einrichtung in Kaufbeuren wichtige Bereiche und damit auch ein Stück Attraktivität der Stadt für Betriebe abgegeben, so Berufsschulleiter Meinrad Stöhr. «Für Unternehmen ist der Schulstandort bei der Entscheidung, in einer Stadt anzusiedeln, definitiv wichtig», sagte der Ausbildungsleiter der Hydraulikfirma Hawe, Alfred Heilmaier. Das Unternehmen plant ein Werk in Kaufbeuren und bildet dafür bereits Jugendliche aus der Region an seinen bestehenden Standorten aus. Die Lehrlinge besuchen jedoch die Kaufbeurer Berufsschule.

Moderator Alexander Vuko von der Allgäuer Zeitung lenkte die Diskussion auf die zunehmenden «Wanderbewegungen» zwischen den Berufen. So seien Bäckerbetriebe stark auf der Suche nach Nachwuchs, während es in der Metallbranche keine Probleme gebe, erklärte Kreishandwerksmeister Robert Klauer. Dem müsse vorgebeugt werden, denn wenn Klassen immer kleiner werden, brechen sie irgendwann ganz weg. Die Berufsschule müsse ihre jetzigen Berufe halten und mit Städten wie Kempten und Memmingen «kooperieren und nicht konkurrieren», wurden mehrmals Meinungen aus dem Publikum laut. Vertreter der Wirtschaft und Politik, aber auch Lehrer und Schüler waren sich einig: Wenn Jugendliche ihren Beruf in Kaufbeuren lernen können, bleiben sie auch in der Stadt oder kommen deswegen hierher.

Die Berufsschule wartet derzeit auf die Finanzierung und Umsetzung eines Raumprogramms durch die Stadt, um ihre größten Platzprobleme in den Griff zu bekommen. Stadtkämmerer Markus Pferner sagte Unterstützung zu. Die Planung schreite voran, der Umbau könne sich aber mehrere Jahre hinziehen. Immer wieder wurde eine größere Investitionsbereitschaft der Stadt gefordert. Der CSU-Fraktionschef im Stadtrat, Ernst Schönhaar, beteuerte deshalb die Wichtigkeit der Berufsschule für Kaufbeuren und betonte: «Wir sind nicht investitionsmüde.»

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