Die Zukunft war in den 60er Jahren vorbei

Johann Hummel über die Muthmannshofer Mühle. Von Michael Dumler Frauenzell/Muthmannshofen Auf den ersten Blick sieht das Anwesen auf Johann Hummels Jahrhundert-Foto aus wie eines von vielen im Allgäu. Das Besondere an ihm: Im rechten Haus verbirgt sich die Mühle der Muthmannshofer Bauernfamilie. 1929 haben sich die Hummels vor ihrem Hof dem Fotografen präsentiert.

Die Mühle hörte 1963 - nach 300 Jahren - auf zu mahlen und wurde abgerissen. 'Es hat sich einfach nicht mehr gerechnet. Die Zukunft der Mühlen im Allgäu war in den 60er Jahren vorbei', erzählt der 78-jährige Frauenzeller.

Die Hummels waren eine traditionsreiche Muthmannshofer Müllerfamilie, deren Stammbaum ins Jahr 1672 zurückreicht. Bis aus Isny seien früher die Bauern mit ihrem Getreide gekommen, weiß Johann Hummel heute noch. Roggen und Weizen wurden in der Mühle vorwiegend gemahlen, weniger Gerste und Hafer. Letztere hätten die Bauern meist zu Hause mit eigenen Brechmühlen gemahlen.

Tragischer Unfall

Zu einem tragischen Unfall kam es 1888, als Johann Hummels Großvater beim Freimachen des vereisten Mühlrades tödlich verunglückte. 1922/23 wurde der Fuchshaldebach (auf dem Foto steht die Familie Hummel unmittelbar davor) oberhalb der Mühle zu einem Weiher aufgestaut und das Mühlrad durch effizientere Turbinen ersetzt. 'Viele Bauern waren damals froh, durch den Bau eine Beschäftigung zu haben', erzählt der 78-Jährige Einer der 'schönsten Tage' für ihn und seine vier Brüder war das Auslassen des Weihers alle zwei Jahre. Die Hummel-Buben hatten beim Abfischen viel Spaß und auf Mutters Speiseplan standen anschließend Karpfen ganz oben.

So mancher Streit sei zwischen seinem Vater und den Bauern ausgetragen worden, wenn jene kein sauberes Getreide brachten. Vor der Mühle ließ der Müller die Bauern dann ihr Getreide sieben. 'Manchmal war der Dreckhaufen größer als das Korn', lacht Johann Hummel. Diese Schande habe dann schnell im Dorf die Runde gemacht.

Wenn sich Johann Hummel an seine Kindheit erinnert, sieht er seinen Vater stets in der Mühle arbeiten. Bestenfalls zur Zeit der 'höchsten Heuernte' habe er die Mühle verlassen. 'Ich hatte für das Getreidemahlen wenig Interesse und war mehr im Stall', verrät Johann Hummel, der 1946 die Tochter des Frauenzeller Bürgermeisters Schönmetzler heiratete. Seine Brüder Josef und Norbert erlernten dagegen das Müllern von ihrem Vater. Mit dem ersten D-Mark wurde 1948/49 die Mühle grundlegend renoviert. Ein Fehler, wie Johann Hummel meint, denn der Getreideanbau sei damals schon zurückgegangen.

Wie die Müller mussten in den 60er Jahren auch die Schmiede wegen mangelnder Auftragslage aufgeben. Als sein Bruder Norbert 1963 bei einem Autounfall ums Leben kam wurde das Kapitel 'Muthmannshofer Mühle' nach fast dreihundert Jahren endgültig geschlossen.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen