Special Ostern ÜBERSICHT

Allgäu
Die Welt auf einer Osterkerze

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Altes Kunsthandwerk bewahren möchte die Vereinigung «Land-Hand». Wir stellen in loser Reihenfolge einige Allgäuer «Heimhandwerker» vor. Heute geht es um Maria Günther aus Hitzlo (Wiggensbach).

Wiggensbach-Hitzlo Es ist die Hand Gottes, die Maria Günther «ganz schön gfuchst» hat, mit ihrer Gestaltung war sie lange nicht zufrieden. Jetzt aber ziert sie die Osterkerze in diesem Jahr für die Kirche in Ermengerst. In den Händen Gottes liegt die Erdkugel, «auf Alt gemacht, die Erde ist ja auch nicht ganz neu», sinniert die 51-jährige Bäuerin und Mitarbeiterin in einem Seniorenheim.

Vor 16 Jahren fand Maria Günther zu ihrem Hobby. Für die Kommunion ihrer Tochter wollte sie bei der mittlerweile verstorbenen Josefa Kreuzer, die sich auf dieses Handwerk verstand, eine handgemachte Kerze bestellen. «Probiers doch selbst», hat die alte Frau Maria Günther empfohlen - und zeigte ihr, wies geht. Vor allem die Kunst, kleine Röschen zu formen, brachte ihr die sehschwache Bekannte bei.

Maria Günther lernte schnell. Mittlerweile hat sie sich mit ihrer Kunst schon weit und breit einen Namen gemacht. Es gibt keinen Anlass, zu der ihr nicht ein Motiv einfallen würde. Dabei weiß sie meist selbst nicht, was daraus wird, wenn sie zu Kerze, Wachsplatten und Skalpell greift.

Beim Thema Erstkommunion zum Beispiel bieten sich religiöse Symbole, vom Lamm über das Auge Gottes bis hin zum Strahlenkranz an. Osterkerzen können ganz einfach mit einem Osterkorb und Eiern verziert werden, mit Palmkätzchen oder Osterglocken, bei Osterkerzen für Kirchen freilich greift Maria Günther auf religiöse Motive zurück.

Für Hochzeitskerzen werden heute gerne moderne geometrische Formen und glänzende Wachsplatten in Metall-Farben gewählt. Die traditionelle Machart mit ausgefeilten, oft winzig kleinen Röschen allerdings liegt der 51-Jährigen noch immer besonders am Herzen.

«Eigentlich kann das fast jeder lernen - zum Glück wissens nicht alle», schmunzelt Maria Günther, wenn sie das Werden eines Kerzenmotivs beschreibt. Notwendig sind dünne Wachsplatten, die es in Wachsziehereien in verschiedenen Farben zu kaufen gibt, ein Skalpell und ein Zahnstocher. Mit diesen Utensilien formt sie die Motive. Als Beiwerk nutzt sie alles, was ihr geeignet scheint: Da ist ein kleines Saxophon, eigentlich ein Christbaumschmuck, auf einer Kerze zum Geburtstag eines Musikers zu finden. Ein Geschenkband hält einen Blumenstrauß aus Wachs zusammen. Oder ein Straßstein betont die Mitte eines Kreuzes.

Die gläubige Frau, die mit ihrem Mann in Hitzlo im Nebenerwerb einen Bauernhof umtreibt, fertigt jedes Jahr die Osterkerzen für die Kirchen in Ermengerst und Wiggensbach an.

Es ist ihr wichtig, dass sie dafür immer neue Motive findet. Doch die alte Technik soll nicht verloren gehen. An Firmungskinder oder auch beim Frauenbund gibt sie ihr Wissen gern weiter. Damit die Röschen auf den Wachskerzen nicht verblühen.

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