Die U-Haft zeigt Wirkung

Buchloe/Memmingen | ck | Die Vernunft hat im zweiten Anlauf gesiegt: Fünf Jugendliche aus Bad Wörishofen, Wiedergeltingen und Buchloe haben gestanden, einen 20-Jährigen auf einem Schnellimbiss-Parkplatz in Mindelheim zusammengeschlagen und ausgeraubt zu haben (wir berichteten). Wegen Raub in Mittäterschaft und gefährlicher Körperverletzung sind die vier jungen Männer vor dem Jugendschöffengericht in Memmingen zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Das 18-jährige Mädchen, die Anstifterin der Tat, bekam ein Jahr und drei Monate auf Bewährung.

Die Wochen in Untersuchungshaft hatten Wirkung gezeigt, als die fünf Jugendlichen nun ein zweites Mal auf der Anklagebank Platz nahmen. Jugendrichter Dr. Markus Veit hatte zwei von ihnen im August noch im Gerichtssaal festnehmen lassen, weil sie alles abgestritten hatten. Zwei weitere saßen bereits in U-Haft.

Der Buchloer gesteht

Nicht zuletzt half einer aus der «Fünferbande», ein 19-Jähriger aus Buchloe, der bereits seit dem 15. Juli in Untersuchungshaft saß, seinen Mitangeklagten mit seinem umfangreichen Geständnis, das er in der JVA zu Protokoll gegeben hatte. Er war der Einzige gewesen, der schon am ersten Verhandlungstag über seinen Anwalt die Vorwürfe eingeräumt hatte.

Noch Kontakt zum Ex-Freund

Die 18-Jährige aus Bad Wörishofen war zwei Jahre lang mit dem späteren Opfer zusammen. Auch nach der Trennung hatte sie noch Kontakt zu ihm, war aber mit dem 22-jährigen Angeklagten liiert. Sie hatte ihm erzählt, dass ihr Ex-Freund sie im Februar geschlagen und gewürgt habe, und bat darum, diesem eine Abreibung zu verpassen.

Um Mitternacht des 1. März kam es auf dem Gelände einer Restaurantkette in Mindelheim dazu. Der 22-Jährige war am Abend mit drei Bekannten, zwei 19- und einem 20-Jährigen, unterwegs, die sich bereit erklärt hatten, ihm zu helfen. Die Tat sollte wie ein Raub aussehen. Alle standen bereits unter Alkoholeinfluss. Die 18-Jährige lockte ihren Ex-Freund aus dem Auto. «Schau den schönen Sternenhimmel an, hat sie zu mir gesagt», erklärte das Opfer in seiner Zeugenaussage.

Doch so schnell konnte er gar nicht schauen, als plötzlich vier mit Sturmhauben maskierte junge Männer mit ihren Fäusten auf ihn einschlugen. Nachdem der Überfallene bereits am Boden lag, traten sie auf Kopf und Körper ein. Ein Schädelhirntrauma, ein Nasenbeinbruch sowie Prellungen am ganzen Körper waren die Folgen.

Doch damit nicht genug. Die Täter verlangten von ihrem Opfer den Geldbeutel, wollten die PIN-Nummer seiner EC-Karte erpressen und nahmen dazu die 18-Jährige als Pseudogeisel. Auf dem Weg zum Bankautomaten zerbrach die Karte jedoch, die Schläger flohen. Die 18-Jährige verständigte die Eltern des Opfers und den Notarzt. Vier Tage musste der Geschädigte im Krankenhaus behandelt werden, bis heute leidet er unter Kopfschmerzen.

Nachdem der erste Angeklagte umfassend ausgesagt hatte, zogen die anderen nach. «Ich will Euch nicht ins Unglück stürzen und Euch einsperren», sagte Jugendrichter Dr. Veit. Das Aufatmen im Zuschauerraum, in dem die Eltern saßen, war deutlich hörbar, als sich Rechtsanwälte, Jugendschöffengericht und Staatsanwältin Katrin Vogler auf Bewährungsstrafen verständigt hatten. Denn jeder der Jugendlichen war bis auf die 18-Jährige bereits mehrfach vorbestraft, zwei standen unter Bewährung.

Alle zeigen am Ende Reue

Reuig zeigten sich am Ende alle und entschuldigten sich beim Opfer. Neben dem Schmerzensgeld in Höhe von 7500 Euro wurden den fünf Angeklagten weitere Auflagen gemacht: Sie müssen unter anderem an einem Anti-Aggressionstraining teilnehmen und sich wegen Alkoholproblemen in psychosoziale Beratung begeben.

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