Lindau
Die Tricks aus der Welt der Steuerflüchtigen

972 US-Dollar pro Plastikeimer aus Pakistan? 1,20 Dollar für ein Fertighaus, geliefert nach Trinidad? Diese Preise rechtfertigen sich nicht etwa durch Goldschichten auf den Kübeln oder Hüttenwände aus Pappe.

Sie sind Transferpreise und eine Methode zur Steuerflucht. Über derartige «Steuersparmodelle» klärt derzeit die Fotoausstellung «Räume der Offshore-Welt» in Lindau auf.

«Die Wenigsten ahnen, was in Steueroasen passiert», sagt Lothar Höfler. Er ist Mitglied der Regionalgruppe Lindau des Netzwerks Attac (siehe Infokasten), das die Ausstellung konzipierte. «Aber sie sind die Betroffenen, denen Kindergartenplätze fehlen, weil der Staat ausgesaugt wird.» Entwicklungsländer etwa verlören bis zu 1,06 Billionen US-Dollar jährlich durch illegale Finanzströme wie Schmier-, Schwarz- und Steuerfluchtgelder.

Transferpreise sind hier nur eine Art der Steuerflucht. Dabei verkaufen sich Unternehmen einer Gruppe (etwa Mutter- und Tochterfirmen) gegenseitig Waren.

Beispiel: Ein Betrieb in einem Land mit hohem Steuersatz wie den USA ersteht den überteuerten Eimer von der Tochterfirma im Niedrigsteuerland Pakistan oder der Betrieb in Trinidad kauft das Fertighaus aus den USA zum Billigpreis. Auf diese Weise wird der Gewinn in die Steueroase geschafft, der Verlust bleibt im Hochsteuerland.

«Steueroasen sind rechtsfreie Räume. Dort kontrolliert niemand», sagt Höfler. Daher kommt auch der Begriff Offshore-Welt, was so viel bedeutet wie außen liegend. Auf der Suche nach diesen Steuerparadiesen genügt ein Blick zu den Allgäuer Nachbarn. «19,2 Milliarden Euro aus Deutschland liegen auf Banken in Österreich», klärt die Ausstellung auf. In Riezlern im Kleinwalsertal etwa gebe es auf rund 2000 Einwohner zehn Banken. Im Bankhaus Jungholz sollen 15000 Deutsche ein Konto haben.

Die Attraktivität beider Standorte liege unter anderem am Bankgeheimnis. Österreich und Luxemburg sind die einzigen EU-Länder, die noch den Informationsaustausch verweigern. Nach diesem meldet eine Bank kurz gesagt die Zinserträge eines Ausländers direkt an das Finanzamt seines Herkunftslandes.

Erdöl in der Schweiz?

Noch beliebter ist die Schweiz bei Steuerflüchtigen. Dort wird nach Angaben in der Ausstellung «etwa ein Drittel des außerhalb des Herkunftslandes angelegten Privatvermögens verwaltet». Das sind zwischen 1,3 und 2,8 Billionen Euro. Damit liege der Alpenstaat noch vor Luxemburg und den karibischen Inseln. 50 bis 90 Prozent dieses Geldes sollen unversteuert sein.

Viele Firmen umgehen Steuerzahlungen zu Hause, indem sie dort Briefkastenfirmen gründen. So gibt es im Kanton Zug 100000 Einwohner und über 30000 Unternehmen. 170 davon sind unter dem Zweck «Erdöl» registriert - «wenig plausibel, gemessen am Erdölvorkommen der Schweiz», weist eine Schautafel hin.

Weitere Steueroasen liegen in Irland, den Niederlanden, Großbritannien, Hongkong, Singapur, USA und Japan. Aber auch Deutschland zählt Attac dazu. In dem Niedrigsteuerland liege die Steuerbelastung unter dem europäischen Schnitt. Zudem «begünstigt die deutsche Steuerpolitik seit 1998 vor allem hohe und höchste Einkommen». Folge: Die Steuereinnahmen des Staates sinken und er muss sparen.

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