Bad Hindelang / Oberallgäu
Die Touristen, aber auch die Jäger müssen dem Wild mehr Raum lassen

Wenn es um das Spannungsfeld Wald und Wild geht, ist der Dialog zuletzt wieder schwieriger geworden. Streitigkeiten um die Abschusszahlen und ein internes Gutachten des bayerischen Landwirtschaftsministeriums hatten die Gemüter erhitzt (wir berichteten).

So war es keine Selbstverständlichkeit, dass neben dem Präsidenten des Bayerischen Jagdverbandes (BJV), Jürgen Vocke, auch zahlreiche Fachleute von Tourismus, Waldwirtschaft, Bauernverband, Forst, Alpenverein und Jagdgenossenschaften der Einladung des Kreisjagdverbands Oberallgäu ins Hindelanger Kurhaus gefolgt waren, um über Themen wie das jüngste Vegetationsgutachten, die aktuelle Bergwald-Offensive und die Rotwild-Bewirtschaftung zu diskutieren.

«Keine schrankenlose Freiheit»

«Wir wollen zur Verbesserung der Gesamtsituation beitragen», sagte eingangs Initiator Ekkehard Voigt als Vorsitzender des Kreisjagdverbandes. «Das Oberallgäu muss als Naturraum für Mensch und Tier erhalten bleiben.

» Im Mittelpunkt der Diskussion stand die Frage, wie viel Tourismus mit dem Schutz von Wald und Wild vereinbar sei. Das Betretungsrecht des Waldes dürfe nicht als schrankenlose Freiheit missverstanden werden, warnte BJV-Präsident Vocke. Problematisch seien etwa Freizeitaktivitäten wie «Geocaching». Die Teilnehmer marschieren dabei abseits der Wege und zum Teil nachts mit Stirnlampen durch den Wald. «Das Wild wird dabei massiv in seiner Ruhe gestört», hielt Ekkehard Voigt bedauernd fest. «Wir fordern deshalb eine bessere Besucherlenkung und Information der Touristen.»

«Freizeitsportler das Problem»

Das Ziel müsse es sein, die breite Öffentlichkeit über die Sensibilität unseres Lebensraumes zu informieren», sagte Rolf Eberhardt als Geschäftsführer des Naturparks Nagelfluhkette. «Dass die Menschen in den sensiblen Bereichen auf den Wegen bleiben, können wir verlangen.» Der Vorsitzende des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch- Schwaben, Alfons Zeller, betonte, dass Tourismus-Betriebe in der Vergangenheit viel investiert hätten, um Urlauber in der Natur zu lenken. «Nicht der Tourismus, sondern die Freizeitsportler sind das Problem», befand Zeller.

«Wir müssen dem Wild mehr Raum geben», forderte Erich Erbgraf von Waldburg-Zeil als Vorsitzender der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen. Das gelte auch für Jäger. Deswegen sei in bestimmten Gebieten die Reduzierung der Rotwild-Bestände sinnvoll.

«Das soll Schule machen»

Sowohl der FW-Landtagsabgeordnete Leopold Herz als auch BJV-Präsident Vocke traten dafür ein, den Dialog zwischen den Beteiligten weiter zu pflegen. «Ich hoffe, dass derartige Veranstaltungen auch in anderen Bereichen des Freistaats Schule machen und zu konstruktiven Lösungen führen», nannte Bayerns Jäger-Vorsitzender das Treffen beispielhaft.

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