Die Toleranz lässt zu wünschen übrig

Kempten (kk). Wenn Jugendliche bolzen oder dribbeln, gibt’s häufig Krach. Vor allem mit den Anwohnern. Zwar ziehen derzeit in der Stadt keine genervten Nachbarn gegen Bolz- oder Basketballplätze vor den Kadi - obwohl der bayerische Jugendring (BJR) eine landesweite Klagewelle befürchtet. Doch beim Lärm hört für viele der Spaß dennoch auf. 'Die Toleranz gegenüber Jugendlichen lässt noch immer zu wünschen übrig', hat Konrad Huger, Abteilungsleiter für Jugendarbeit beim Stadtjugendamt beobachtet.

Die 26 Jugendspielplätze in Kempten würden juristisch ähnlich wie Sportanlagen behandelt, erkläutert Franziska Renner, stellvertretenden Baureferentin der Stadt. Nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz gelten 'an der Grenze zu Wohngebieten maximal 55 Dezibel Lautstärke und zu Mischgebieten 60 Dezibel'. Einzelne, kurzzeitige Lärmspitzen sollten weitere 30 Dezibel nicht überschreiten. Um diese Richtwerte einzuhalten, werde im Einzelfall der Abstand zwischen Wohngebiet und Bolzplatz, in der Regel zwischen 30 und 100 Metern, individuell berechnet.

Falls aber Jugendspielplätze mit Kinderspielplätzen juristisch gleichgestellt würden - das fordert der BJR - fördere das den Neubau von Bolzplätzen, weiß Stadtjugendamtsleiter Matthias Haugg. Dann werde nämlich der vorgeschriebene Abstand deutlich verringert. Den Lärmschutz zu lockern, sei aber Aufgabe der Bundespolitik.

Auch in der Stadt, unterstreicht Konrad Huger, wäre es dann einfacher, beispielsweise einen Platz in der Magnusstraße durchzusetzen. Junge Menschen bräuchten unbedingt den Raum, um sich auszutoben. Darum fordert das Stadtjugendamt, zumindest die bestehenden Jugendspielplätze zu erhalten.

Spielregeln einhalten

Manche dieser Plätze sind Anwohnern allerdings bereits ein Dorn im Auge. Beispielsweise in der Ziegelwiesstraße wurden in einem Wohnblock die Bewohner mit Kindern von der Hausverwaltung schriftlich gebeten, 'vermeidbare, die Ruhe störende Geräusche zu unterlassen' (wir berichteten). Zudem wurde am nahegelegenen Basketballplatz am Jugentreff in Sankt Mang ein Schloss mit einem Nagel im Korb befestigt - wer dort zu bestimmten Zeiten spielen will, muss sich erstmal einen Schlüssel holen. Der Grund: Anwohner hatten sich über lautes Geschrei beschwert.

Um solche Konflikte generell zu lösen, müssten sich einerseits die Jungen an gewisse Spiel- und Verhaltensregeln halten, andererseits die Älteren toleranter werden, appelliert Ingrid Jähnig, Vorsitzende der Kinderkommission Kempten, an beide Seiten. Erwachsene könnten nicht nur lamentieren, dass Jugendliche nur vorm Fernseher sitzen, und gleichzeitig ihre Bewegungsmöglichkeiten einschränken.

'Einige Stadtteile sind ja ganz gut mit Jugendspielplätzen ausgestattet, andere jedoch weniger', findet die SPD-Stadträtin. Vor allem in der Innenstadt seien Bolzplätze aber schwer zu entdecken. 'Auch in Neubaugebieten hat die Stadt zu wenig getan. Meistens steht dort kein Spielplatz, sondern ein Bauplatz', kritisiert Jähnig. Als positive Beispiele nennt sie die Jugendspielplätze in Thingers, In der Eich und in der Duracher Straße.

Den Vorwurf der Stadträtin will Franziska Renner vom Baureferat aber nicht so stehen lassen: 'Bei der Aufstellung von Bebauungsplänen müssen nunmal emissionsschutzrechtliche Kriterien berücksichtigt werden.'

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