Historie
Die soziale Herkunft der Schwestern des Crescentiaklosters Kaufbeuren

750 Jahre besteht heuer das Crescentiakloster. Auch die Redaktion der Kaufbeurer Geschichtsblätter gratuliert dazu - und hat dem Anlass fast zur Gänze die neueste Ausgabe gewidmet.

Der Historiker Stefan Dieter macht dabei auf bislang eher Unerwähntes aufmerksam: "Das Hauptaugenmerk der Literatur zur Geschichte des Kaufbeurer Klosters liegt auf der Forschung der im Jahre 2001 heiliggesprochenen Crescentia Höß".

Daraus ergebe sich, dass sozialgeschichtliche Fragen zu den inneren Verhältnissen des Konvents im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit kaum bekannt seien. So seien die Quellen aus dem Kloster und anderen Institutionen unergiebig - zumal oft die bürgerlichen Namen verschwiegen seien.

Dennoch setzte Dieter akribisch einzelne Fundstellen mit anderen Quellen und Sekundärliteratur in Verbindung und hat für die Zeit zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert Einzelschicksale sowie ein soziales Profil für das Konvent erfasst – so weit dies die Schwesternkataloge hergaben. Demnach bleibt die Herkunft von rund 50 Prozent unbekannt, die andere Hälfte stammte aus vier verschiedenen Gruppen.

Hervorzuheben seien die Schwestern aus politisch einflussreichen Handwerksfamilien wie Anna Pflaucher oder Anna Scherrich, deren Väter Ratsmitglieder waren. Diese Gruppe scheint besonders im 15. Jahrhundert dominiert zu haben. Die zweitstärkste Fraktion waren wohl die Konventualinnen aus der Oberschicht: Anna Speiß oder Walpurga Honold von der Taube waren mit Bürgermeistern verwandt.

Als dritte Gruppierung kamen Schwestern wie die Oberin Anna Butz aus politisch einflusslosen Familien dazu. Doch das Bild wandelte sich im beginnenden 16. Jahrhundert. Dieter vermutet, dass die Handwerker der Kirche immer kritischer gegenüberstanden, weshalb sie später auch verstärkt Träger der Reformation gewesen seien.

Deshalb seien nun Frauen aus den einflusslosen Familien in das Kloster gedrängt. 'Das Moment der sicheren Versorgung dürfte hier eine wesentliche Rolle gespielt haben', so Dieter. Zudem sei 1518 die erste Nonne aus dem Umland zu belegen.

Diese Tendenz wurde ab Mitte des Jahrhunderts deutlich: Handwerkertöchter gab es kaum noch im Kloster, Schwestern aus der Oberschicht wurden seltener, und selbst aus der Unterschicht stockte die Nachfrage für einen Klosterplatz. Der Grund sei klar, meint Dieter: 'Die Stadt nahm 1545 die Confessio Augustana an, was die evangelische Gemeinde rasant anwachsen ließ.' Deshalb seien als vierte Gruppe immer mehr Frauen aus dem Umland in das Kloster gekommen. 'Diese Entwicklung sollte denn auch die Zeit bis zur Säkularisierung des Klosters im Jahre 1806 für die Zusammensetzung des Konvents bestimmend werden.'

Im neuen Heft ist außerdem Dr. Karl Pörnbacher dem Verhältnis zwischen den Franziskanerinnen aus dem Kaufbeurer Kloster und ihren Brüdern aus dem Reichsstift Irsee nachgegangen ('In gegenseitiger Wohlgewogenheit'). Astrid Pellengahr hat sich mit dem Umgang des Stadtmuseums mit der Heiligen Crescentia beschäftigt ('Zum musealen Umgang mit einer Heiligen'). Passend zum Thema steuerte Dieter noch eine Bibliografie bei. Obendrein bespricht Willi Engelschalk das Buch 'Auf dem Weg zu Gott und zu den Menschen' über das Crescentiakloster von Pörnbacher.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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