Musiksommer
Die Singphoniker begeistern in Oberstdorf mit Kombination aus Renaissance-Messe und heutigen Werken

Ein Requiem der Renaissance mit Kompositionen unserer Zeit zu mixen - diese Idee hatten die «Singphoniker» für ihr A-cappella-Konzert in der Klosterkirche Immenstadt. Das gewagte Konzept der sechs Sänger ging voll auf und dieser Gesang jedem tief in die Seele, ganz egal mit welchem Gottesbild man kam.

Pierre de la Rue (gestorben 1518) war der Schöpfer des zentralen Werkes des Abends. Seine in sich ruhenden, ohne Eile strömenden Sätze wurden unter dem Titel << fragile >> kontrastiert mit Sting, Eric Clapton, Kurt Weill, Carl Orff und anderen. Und tatsächlich: Die kraftvolle Zerbrechlichkeit der Stimmen ging unter die Haut. Das war keine vokale Kraftmeierei wie auf einer Opernbühne. Dieser Gesang war edel und doch natürlich, locker und kultiviert.

Aus dem Lateinischen stammend, ist fragile in englisch, französisch, italiensch und deutsch eingegangen. Wie kostbar und zerbrechlich das Leben ist, war schon immer das Thema großer Kunst.

Eindrucksvoll wurde an diesem Abend hörbar und spürbar, dass sich die zentralen Fragen und Impulse, warum Menschen Musik machen, tief innen drin seit Jahrhunderten kaum veränderten.

Vor dem Tod sind alle gleich

Das 500 Jahre alte Requiem sprach zu den Zuhörern, als sei es gestern komponiert. Frieden leuchtete wie aus dem Jenseits durch diese Musik hindurch, durch alle ebenfalls anklingenden Ängste und Zweifel. Die auch auszudrücken, macht ja den Unterschied aus zwischen Kitsch und Kunst.

Gerade die Gesellschaft mit suchenden Werken unserer Tage, die sanften Kontraste und Rempler, holte dieses Requiem aus dem Elfenbeinturm heraus.

Egal ob die vertonten Texte von Brecht, Walt Whitman, Baudelaire oder aus dem Johannes-Evangelium stammten: Vor dem Tod werden alle gleich, war die zentrale Botschaft dieses Abends. Eine Übersetzung der Gesangstexte wie bei Orff hätte an anderen Stellen auch interessiert. Gerade, wenn eine so angenehme Sprechstimme wie Bass Christian M. Schmidt zur Verfügung steht.

Den Applaus fürs Ende aufzubewahren, war eine weitere von vielen guten Ideen des Programms. Und er kam reichlich. Die in der Begrüßung von Rosalinde Brandner-Buck provozierend gestellte Frage, ob es erlaubt sei oder ein Sakrileg, ein Reqiem mit heutiger Musik zu mischen, war eindeutig beantwortet.

Mit einem ganz anderen Programm gestalteten die << Singphoniker >> gestern Abend die Serenade in 2000 Metern Höhe auf dem Nebelhorn bei Oberstdorf: Dort sang das Münchner Vokalensemble << just songs >>, Lieder aus aller Herren Länder und allen möglichen Epochen, getreu dem Motto des diesjährigen Festivals: << Länderspiele >>.

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