Seeg / Hopferau
Die Ruhe nach dem Sturm

Ungewohnt ruhig ist es an diesem Morgen auf der Staatsstraße zwischen Füssen und Seeg. Auf der Gegenfahrbahn kommen nur wenige Autos entgegen und ausschließlich mit einheimischem Kennzeichen. Man kommt schnell voran. Die Strecke wirkt wie ausgestorben, bedenkt man, dass sich vor wenigen Wochen noch eine Blechlawine über die Straße und die daran liegenden Orte quälte. Außer ein paar Motorradfahrern stört heute nichts die Ruhe an der ehemaligen A7-Ableitungsstrecke. Ob das an der frühen Tageszeit liegt?

Ein klares Nein von Werner Feneberg. «Oft ist hier schon um fünf Uhr morgens ein Auto nach dem anderen vorbeigefahren», so der Bäckermeister aus Weizern. Wenn er aber heute seinen Laden um sieben Uhr öffne, sei es noch ganz ruhig vor der Tür. Mindestens 50 Prozent weniger Verkehr rolle seit der Autobahnöffnung durch den Ort, ist Feneberg überzeugt. «Setzen sie sich eine Viertelstunde nach draußen und genießen sie die Ruhe», sagt er.

Auch Seeg spürt die Folgen des Lückenschlusses deutlich. Vor allem am Samstag und Sonntag. «Am Wochenende ist Seeg wie ausgestorben ohne den ganzen Verkehr», meint Josef Kinader, Betreiber einer Tankstelle. Er selbst betrachtet die Entwicklung mit einem lachenden und einem weinenden Auge - immerhin machte der Durchgangsverkehr einen Großteil seines Geschäftes aus.

Dass die Urlaubskunden wegfallen, darauf hat sich Heinrich Scherbaum schon im voraus eingestellt. Seine Bäckerei in Seeg ist trotzdem gut besucht. «Das sind Stammkunden», sagt er lachend. «Ich habe mir viele Gedanken gemacht, was nach der Eröffnung der A7 sein wird. Man muss die Entschleunigung als Chance für einen neuen Tourismus in der Region sehen», so Scherbaum.

Eine fast leere Hauptstraße

Ein paar Kilometer weiter, in Hopferau, bietet sich ein ungewöhnlicher Anblick: eine fast leere Hauptstraße. Abgesehen von ein paar einheimischen Autos ist hier niemand unterwegs. Barbara Breher überquert in aller Ruhe die Fahrbahn. Sie ist froh, dass die Verkehrsbelastung aus dem Ort verschwunden ist. «Endlich kann man hier mit dem Rad auf der Straße fahren.

Vorher habe ich mich das gar nicht getraut», erklärt die 47-Jährige. Trotzdem müsse man die Sache von zwei Seiten betrachten. Die Autobahn gebe mit Sicherheit kein schönes Bild in der Landschaft ab, meint sie. «Das ist schade, aber irgendwo muss der Verkehr ja hin.»

«Das ist wunderbar»

Metzgermeister Gerhard Renz, der seinen Laden direkt an der Hauptstraße in Hopferau hat, spricht von einem «Segen». Er atmet auf: «Vor ein paar Wochen noch konnte man froh sein, mit dem Auto vom Hof rauszukommen. Jetzt ist das kein Problem mehr.» Sein Geschäft bereite ihm - trotz ausbleibenden Durchgangsverkehrs - keine Sorgen. «Die sind ohnehin nur durchgefahren.» An der ehemaligen Ableitungsstrecke der A7 ist nichts mehr wie zuvor. Die Anwohner wirken entspannter, seit der Verkehr weg ist.

Das findet auch Jacqueline Jahn. Sie kann ihre Kinder endlich wieder beruhigt durch Hopferau spazieren lassen: «Das ist wunderbar.»

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