Kaufbeuren
Die Pleite als Chance

Wenn einem Betrieb das Geld ausgeht und er Insolvenz anmelden muss, kommt das für viele Unternehmer einer gesellschaftlichen Ächtung gleich. Doch das schlechte Image ist für den Memminger Insolvenzverwalter Peter M. Hoffmann unverständlich. «Die Insolvenz kann auch eine große Chance sein», sagt er. Denn entgegen der öffentlichen Wahrnehmung bedeutet die Zahlungsunfähigkeit immer seltener das Aus für Produktion und Jobs in einer Firma.

Hoffmann sieht auch für das Kaufbeurer Unternehmen CNC-Zerspanung Brandtner gute Perspektiven. Der Betrieb musste vorläufige Insolvenz anmelden. Hoffmann hat die Verwaltung übernommen und dem Gericht die Eröffnung des Verfahrens empfohlen. Voraussichtlich morgen wird es so weit sein. «Im Frühjahr 2008 haben wir gemerkt, dass die Krise heranzieht», sagt Inhaber Harald Brandtner. Dann machten sich die Absatzrückgänge bemerkbar, Abrufzahlen der Kunden waren nicht mehr planbar.

Seit 15 Jahren ist Brandtner jetzt mit seiner Firma am Markt. Er war der erste Mieter im Innovapark.

Die Mitarbeiter verstehen sich auf die Herstellung und Bearbeitung von komplexen, einbaufertigen Teilen und Systemkomponenten für die Automobilindustrie, Mechanik, Präzisions- und Umwelttechnik, Medizintechnik, Lebensmittelindustrie, Elektro- und Optomechanik, den Maschinen- und Anlagenbau sowie den Designbereich.

Ziel von Hoffmann und Brandtner ist es, den Betrieb wieder flott zu machen. Dabei hilft ihnen der Insolvenzplan, der darauf abzielt, die Firma zu sanieren, anstatt zu zerschlagen - sofern die Gläubiger mitspielen. Damit kommt alles auf den Prüfstand: die Verträge, die Kundenstruktur, Produkte und das Personal. «Wir kämpfen um jeden Arbeitsplatz», sagt Hoffmann, wenngleich zwei Beschäftigte gehen mussten. Mit den verbliebenen sieben Mitarbeitern und drei Lehrlingen soll nun der Weg aus der Krise beschritten werden.

«Das Planverfahren wird viel zu selten angewandt», sagt Hoffmann. Denn es gebe weitere Pluspunkte: etwa dass die Arbeitsagentur für drei Monate die Löhne und Gehälter, das Insolvenzgeld, zahlt. Trotz vielfach zu hörender Kritik an den Banken hat Hoffmanns Mitarbeiter Florian Zistler auch für sie ein Lob parat: «Die Zusammenarbeit ist wirklich gut», so der Jurist. Die Sparkasse habe das Insolvenzgeld sogar vorfinanziert.

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