AZ-Aktion
Die Päckchenverteiler der Malteser

Jürgen Güttler packt das Brot ein. Nein, nicht siebenmal das Gemischte, korrigiert er. Sechsmal und einmal Vollkorn-Toastbrot. «Eine von unseren Damen mag das am liebsten», schickt er als Erklärung hinterher. Nach und nach wandern Marmelade, Eier und andere Lebensmittel in den Einkaufswagen. Wie jeden letzten Donnerstagvormittag im Monat ist Jürgen Güttler auch diesmal für die Malteser im Einkaufseinsatz. Und wie immer werden die Lebensmittel später verpackt, um dann an bedürftige Menschen verteilt zu werden. Im Rahmen der Aktion «Sie wünschen - wir schenken» war AZ-Redakteurin Sabine Beck mit dabei.

Wenn Jürgen Güttler einmal im Monat zum Großeinkauf für die aktuell acht Kemptener aufbricht, hat er am Samstag zuvor bereits sorgfältig alle Angebotskataloge der Discounter durchgefieselt. Denn pro Lebensmittelpaket dürfen in der Regel höchstens 20 Euro anfallen. Die eine Hälfte davon übernimmt die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung, die andere Hälfte finanzieren die Malteser. «Da muss man schon genau schauen, was man kauft», sagt Jürgen Güttler. Ihm kommt es darauf an, dass die Pakete Abwechslung im Speiseplan bieten und gesund sind. Deshalb sind neben haltbaren Waren auch stets Obst, Gemüse und ab und an ein Stück Fleisch dabei. Das können sich die Menschen, an die die Pakete gehen, selbst nicht leisten.

Wer von den Maltesern beliefert wird, ist mindestens 65 Jahre alt, erhält nachweislich eine geringe Rente oder Grundsicherung und ist körperlich nicht mehr in der Lage, einzukaufen.

Das erledigt seit Oktober Jürgen Güttler für die Senioren. Er ist der Leiter des Projekts bei den Maltesern und verrichtet seine Aufgabe mit viel Liebe und Sorgfalt. Für seine acht Senioren lässt er sich Zeit beim Einkaufen, überlegt, aus welchen Produkten was gekocht werden könnte und greift schließlich - weil es im Angebot und er «heute mal ganz großzügig» ist - noch zum Heringssalat als Extra-Schmankerl.

In der Malteser-Dienststelle in der Mozartstraße haben sich indessen nebst Dienststellenleiter Johann Lory auch die ehrenamtlichen Malteserinnen Birgit Lukas und Angelika Haug zum Packen eingefunden. Anhand von Listen wird alles säuberlich in große Plastikboxen gestapelt, jedes Paket unterscheidet sich in kleinen Details von den anderen.

Bescheidene Änderungswünsche

In wenigen Minuten ist der kleine Lieferwagen der Malteser mit den Boxen bepackt. Dann geht es los zur ersten Seniorin. Sie ist 85 Jahre alt, lebt alleine und liebt Wallfahrten. Deshalb hat ihr Johann Lory eine Infobroschüre darüber mitgebracht und erklärt ihr, dass die Malteser ihr als Fahrdienst behilflich sein können. Auf ihren Rollator gestützt erzählt die alte Dame, dass sie bereits mehrfach in Lourdes war.

Dass sie dort so gerne noch einmal hinfahren würde. Und schließlich erklärt sie beim Auspacken des Päckchens, dass sie wegen ihres Zuckers keine Nudeln mehr essen soll. Etwas mehr Honig wäre besser. Aber sie wolle keinesfalls undankbar erscheinen.

Noch öfter an diesem Tag hören die Malteser bescheidene Änderungswünsche zu den Paketen. Und immer wieder versichern sie, dass das nun wirklich kein Problem sei und man sich doch viel mehr freue, wenn die Pakete gut ankommen. Das tun sie: An jeder Haustür werden die Helfer strahlend empfangen. Jeder für sich betont, wie sehr er sich auf den Besuch gefreut hat und dass er gar nicht wisse, wie man dafür nur danken könne. Und so fällt für jeden ein kleines Gespräch ab, ein paar nette Worte. «So viel Zeit muss sein», sagt Johann Lory.

Denn ein Ratsch in der Küche gehöre zu den Besuchen einfach dazu. «Das tut den alten Menschen gut und uns auch», meint der Dienststellenleiter. Jürgen Güttler und Angelika Haug können das nur bestätigen: «Wenn man den Menschen damit eine Freude bereiten kann, ist das ein unbeschreibliches Gefühl.»

Ehrenamtlich tätig sein, um anderen eine Freude zu bereiten: Johann Lory hofft, dass noch mehr Menschen «auf den Geschmack» kommen. Dringend, so sagt er, sucht er Fahrer - für die Paketaktion genauso wie für seine Seniorennachmittage. Und auch Jürgen Güttler wünscht sich für seine Aktion mehr Hilfe. Etwa von Lebensmittelherstellern, die die Aktion mit ihren Produkten unterstützen könnten. «Das würde uns echt weiterhelfen», sagt Jürgen Güttler. Und dem Geber auch, findet er. Denn Gutes zu tun, mache eben nicht nur andere glücklich, sondern auch einen selbst.

 

Mit den ehrenamtlichen Maltesern (von links) Jürgen Güttler, Birgit Lukas und Angelika Haug packte AZ-Redakteurin Sabine Beck die Lebensmittelpakete für bedürftige Senioren, die nicht mehr selbst zum Einkaufen gehen können. Einmal im Monat werden die Pakete an derzeit acht Kemptener verteilt. Foto: Martina Diemand

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