Kaufbeuren / Ostallgäu
Die Nachfrage ist offenbar noch recht gering

Seit Monaten ist das Thema Schweingrippe in aller Munde, kontrovers sind die Meinungen dazu. Ab dieser Woche soll jedenfalls der Impfstoff auch im Raum Kaufbeuren/Ostallgäu verfügbar sein, betont Erich Degenhardt, Sprecher der Apotheker in der Region. Allerdings, so ist sein Eindruck, ist das Interesse in der Bevölkerung an dem Thema bislang noch recht gering. Ob es in unserer Region also zu den angekündigten Massenimpfungen kommt, ist unklar. «Jeder muss selbst eine Meinung dazu entwickeln, ob er sich impfen lassen will oder nicht.» Dass dieser Meinungsbildungsprozess erst noch im Gange ist, vermutet auch Dr. Marlene Lessel, Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbandes Kaufbeuren/Ostallgäu. «Wer sich für eine Impfung entschieden hat, geht zu seinem Hausarzt», so Lessel. «Es fallen für die Patienten keine Kosten an, auch die Praxisgebühr muss für diesen Fall nicht entrichtet werden.» Geimpft wird in den Oberarmmuskel, gesicherte Erkenntnisse über Nebenwirkungen habe man bislang nicht, da die drei zur Verfügung stehenden Präparate noch zu neu seien. Es wird aber vermutet, dass die Nebenwirkungen mit denen anderer Grippeschutzmittel vergleichbar seien: In seltenen Fällen also Unwohlsein, Erkältungssymptome als Zeichen dafür, dass das Immunsystem zu arbeiten beginnt, und Schmerzen an der Impfstelle.

Lessel lässt sich natürlich selbst impfen und rät dies auch der Bevölkerung. Zwar verlaufe die Schweinegrippe in den meisten Fällen unspektakulär, ohne dass man es selbst groß merkt. «Bei jenen, die aber konkret erkranken, besteht eine große Gefahr, eine schwere Lungenentzündung zu bekommen.» Das könne in der Regel nur auf einer Intensivstation behandelt werden, wo der Patient beatmet werden muss. Bis zum 11. Oktober seien weltweit knapp 400000 Fälle der Erkrankung gemeldet worden, wovon 4735 Menschen starben - immerhin mehr als jeder Hundertste.

Soziale Verantwortung

Ein weiteres Argument für die Ärztin: «Wer sich impfen lässt, kann nicht zum Wirt, also zum Träger der Viren werden. Lassen sich möglichst viele Menschen impfen, ist die Zahl der Wirte einfach geringer.» Für sie sei es schon eine Frage der sozialen Verantwortung, sich impfen zu lassen. Gleichwohl räumt sie ein, dass es auch viel Kritik gebe, da das Mittel schnell auf den Markt komme und eigentlich noch gar nicht im üblichen Rahmen ausgetestet sei. Sonst dauert es mehrere Jahre, bis Medikamente zugelassen werden, in diesem Fall waren es nur Monate. Kritik übt Apothekersprecher Degenhardt am Organisatorischen. Das Präparat werde nur in bestimmten Packungsgrößen ausliefert. Pro geöffneter Packung müssen demnach zehn Dosen binnen 24 Stunden geimpft werden, sonst werden sie unbrauchbar. «Entsprechend muss der Hausarzt seine Patienten einbestellen, was für beide Seiten einen ziemlichen Aufwand bedeuten kann.

» Das im Raum Kaufbeuren/Ostallgäu verwendete Mittel enthalte einen Wirkverstärker. Wie berichtet, hatte es Kritik daran gegeben, dass es je nach Präparat das Mittel mit und auch ohne Wirkverstärker gebe. Für ihn als Fachmann sei es aber relativ unerheblich, ob das Präparat diesen Wirkverstärker nun enthalte oder nicht. «Andere Grippemittel enthalten ihn auch.» Dieser Aspekt sei überbewertet.

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