Gerüchte
Die Macht der Internetlügen: Sprachnachricht über angebliche Entführung sorgt für Aufregung in Kempten

Die Falschmeldung kommt per Chatdienst und Sprachnachricht aufs Handy, binnen Sekunden wussten am Dienstagabend viele Kemptener über den angeblichen Entführungsversuch vor einem Discounter Bescheid. Allerdings: Den Fall hat es nicht gegeben. <%IMG id='1213003' title='WhatsApp'%>

Die zigfach verschickte Sprachnachricht, in der eine Frau vor dem Täter warnt, ist falsch, <%LINK text='die angebliche Entführung hat nie stattgefunden' tag='' type='Artikel' id='2347293' %>. Eine 28-Jährige hat die Nachricht aufgenommen und an Bekannte verschickt – in gutem Glauben, wie sie selbst sagt. Als das ganze Ausmaß des Problems sichtbar wurde, <%LINK text='meldete sie sich selbst bei der Polizei' id='2347293' tag='' type='Artikel' %>.

Diese ermittelt wegen des Verdachts des Vortäuschens einer Straftat. Der Fall zeige, wie schnell sich solche Gerüchte über neue Medien verselbstständigen können, sagt Polizeisprecher Christian Eckel. Speziell seit dem Amoklauf von München hat die Polizei mit Trittbrettfahrern und Falschmeldungen zu kämpfen.

Der Kemptener Fall war nun so konkret, dass sich das Präsidium am Dienstag unverzüglich zu einer öffentlichen Klarstellung veranlasst sah: Empfänger der Nachricht sollten diese keinesfalls weiterschicken, sondern ignorieren. Doch warum entwickeln Internetlügen solche Macht?

Zunächst einmal sind sie nichts Neues. 'Hoax' (zu deutsch: Scherz) lautet der Fachbegriff für Halbwahrheiten, Schwindel- und Verschwörungsmeldungen im Internet. Über Suchmaschinen finden sich seitenweise Beispiele dazu.

Auch der Spruch 'Pic or it didn’t happen' ('Zeig mir ein Foto davon oder es ist nicht passiert') nimmt auf solche Fälle Bezug. Seit einigen Jahren verteilen sich Gerüchte schneller – über Chat- und Messengerdienste wie Whatsapp, Threema oder Viber. Die Aufnahme- und Videofunktionen von Smartphones machen authentisch wirkende Falschmeldungen möglich.

Auch die 'Entführungswarnung' hat so begonnen. Die 28-Jährige mit Allgäuer Zungenschlag nennt in der Nachricht eine Adresse und verwendet die Anrede 'liebe Evi'. Dazu kommt, dass soziale Netzwerke und Algorithmen das Problem verstärken. Experten sprechen vom 'Echokammer-Effekt'.

Gleichgesinnte in Netzwerken bestätigen sich in ihren Meinungen und Ängsten. Wer absichtlich unwahre Meldungen streut, die Ermittlungen auslösen, macht sich strafbar. Die Ermittlungen gegen die Frau, die angeblich eine Freundin warnen wollte, dauern an. 

Autor:

Stefanie Heckel aus Kempten

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