Die Liebe gibt ihm Kraft, das Schicksal zu meistern

Von Sabine Beck | Kempten Nein. Herbeiwünschen würde sich dieses Leben wohl niemand. Und auch Wilhelm Layer würde lügen, wenn er behauptete, dass er sich alles so vorgestellt hat. Hadern möchte der 56-Jährige dennoch nicht mit seinem Schicksal. 'Weil es eh nichts bringt. Und weil es ja doch immer irgendwie weitergehen muss.' Seit zwölf Jahren pflegt Wilhelm Layer seine Frau Jennifer, die im Wachkoma liegt. Eine Aufgabe, die ihn 24 Stunden am Tag fordert. Weil er es so will. Und dafür hat der Kemptener einen ganz einfach Grund: 'Ich liebe sie.'

Gut hat es das Schicksal mit den Layers wahrlich nicht gemeint. Vor mittlerweile gut 30 Jahren lernten sich der Molkerei-Meister aus Schwabmünchen und die gebürtige Engländerin auf dem Plärrer in Augsburg kennen. 15 Jahre dauerte es, bis sie sich vor den Standesbeamten trauten. Nur fünf Jahre waren die beiden als Ehepaar glücklich, dann schlug das Schicksal zu.

'Meine Frau hatte mit 39 Jahren einen Schlaganfall mit schwerer Gehirnblutung', erinnert sich der heute 56-Jährige. Und daran, dass sich das Leben der beiden von einem Tag auf den anderen komplett änderte. 'Es stand bald fest, dass Jenny ein Pflegefall bleiben würde', erzählt Wilhelm Layer und auch, dass seine eigene Entscheidung ebenfalls sofort getroffen war: Er würde seine Frau zu Hause pflegen. Auf der Suche nach einer behindertengerechten Wohnung verschlug es das Paar nach Kempten. Dort, empfahlen ihm Ärzte, sei eine gute Versorgung durch mobile Dienste gewährleistet und 'die Allgäuer Landschaft ist auch schön', sagt der 56-Jährige.

Um 6.30 Uhr beginnt für ihn der Tag. Über die Magensonde gibt er zuerst seiner Frau das Frühstück, dann macht sich Wilhelm Layer seinen Kaffee. An 18 bis 20 Tagen im Monat kommt dann um 8 Uhr ein Pflegedienst vorbei. 'Während Jenny gewaschen und gelagert wird, habe ich Zeit für einen Spaziergang oder andere Erledigungen', sagt Wilhelm Layer. Ab Mittag geht es dann weiter mit Therapien - auch eine Reittherapie, die Wilhelm Layer selbst finanziert, gehört dazu - Spaziergängen oder Ausflügen. Den Abend verbringt das Ehepaar meist vor dem Fernseher.

Reden ist besonders wichtig

Wie viel von dem Geschehen um sie herum Jennifer Layer überhaupt mitbekommt, kann ihr Ehemann nicht sagen. 'Aber es ist wichtig, dass ich viel mit ihr rede und auch die Ausflüge tun ihr gut.' Oder die Fahrten zu ihrer Familie nach London. Das kann er ganz genau an ihrem Gesicht ablesen. Und weil Wilhelm Layer für seine Frau nur das Beste will, hat er auch kurzerhand das Krankenbett, in dem sie anfangs geschlafen hatte, wieder abgeschafft: 'Seit sie bei mir im Doppelbett schläft, sind die Nächte viel ruhiger.' Obwohl er dreimal pro Nacht aufstehen muss, um seine Frau umzubetten, damit sie sich nicht wund liegt.

Natürlich. Wilhelm Layer vermisst manche Dinge. 'Nicht mit ihr reden zu können, ist schon schwer', sagt er. 'Aber alleine, dass sie so eine geduldige Patientin ist, empfinde ich als Glück.' Für die Zukunft wünscht sich der 56-Jährige, dass er gesund bleibt, um die 51-Jährige möglichst lange pflegen zu können. 'In einem Heim, in einer fremden Umgebung und mit Leuten, die sie nicht kennt - das würde sie nicht lange durchhalten.' Deshalb erfüllt sich Wilhelm Layer auch nicht seinen einzigen, lange gehegten Wunsch: Einmal fünf Tage wegfahren. Ganz allein. 'Aber das', sagt Wilhelm Layer und nimmt sanft die Hand seiner Frau, 'kann ich Jenny nicht antun. Weil ich sie trotz allem eben einfach liebe.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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