Palliativmedizin
Die letzten Tage erleichtern

Schmerzmittel neu einstellen, die Dosierung der Infusionspumpe kontrollieren und dem Patienten die Angst vor dem nahenden Tod nehmen: Dr. Peter Blosch betreut seit 14 Jahren todkranke Menschen. Er tut das nicht in einer Klinik, sondern bei den Patienten zu Hause - im familiären Umfeld. Gemeinsam mit Dr. Margit Lukas betreibt der Mediziner im Memminger Ärztehaus eine Gemeinschaftspraxis für ambulante Palliativmedizin (siehe Infokasten). Im Allgäu gibt es nach Bloschs Worten nur noch in Kempten eine ähnliche Praxis.

«Sieben Tage die Woche sind wir 24 Stunden in Bereitschaft», berichtet Blosch. Zu der körperlichen Belastung kommt die psychische: «Jede Woche haben wir ein bis zwei Todesfälle. In den vergangenen drei Tagen sind gleich zwei meiner Patienten gestorben.»

Suche nach Verstärkung bleibt erfolglos

Nicht viele wollen offenbar mit Blosch und Lukas tauschen: Schon seit geraumer Zeit sind die beiden auf der Suche nach einem weiteren Palliativmediziner für ihre Praxis - doch ohne Erfolg: «Die Attraktivität unseres Berufs und auch der finanzielle Anreiz sind nicht besonders groß.» Hoch dagegen sei die Arbeitsbelastung. Denn palliativmedizinische Maßnahmen werden im Raum Memmingen - und auch anderswo - immer gefragter.

Was aber nicht automatisch bedeutet, dass es mehr Sterbefälle gibt: «Früher war Palliativmedizin in der Gesellschaft weitgehend unbekannt oder hat erst sehr spät, in den letzten Lebenstagen, eingesetzt. Heute versuchen wir dem Todkranken möglichst frühzeitig zu helfen und ihm die verbleibenden Tage, Wochen oder Monate zu vereinfachen, damit er in Würde sterben kann.»

Dazu gehört nicht nur die ärztliche Versorgung durch die Palliativmediziner und die beteiligten Hausärzte, sondern auch die Arbeit von Pflegediensten, Apotheken, Hospizvereinen, Sanitätshäusern und Psychologen: «Für Patienten und Angehörige ist die psychologische Betreuung gleichermaßen wichtig», sagt Blosch. «Dabei ist es unterschiedlich. Mal benötigt der Sterbenskranke mehr psychologische Betreuung, mal sind es seine Angehörigen.

» Regel Nummer eins laut Blosch: «Immer ehrlich sein. Keine Phrasen wie ,Das wird schon wieder.» Schwierig werde es, wenn der Patient den herannahenden Tod völlig ausblendet: «Was will man einem Sterbenskranken antworten, der sagt, ,es geht schon wieder bergauf.»

Dennoch habe die Arbeit mit schwerstkranken Patienten auch viele positive Seiten: «Man lernt, dankbar zu sein. Dankbar über die eigene Gesundheit und darüber, dass man normal essen, trinken oder auf die Toilette gehen kann.»

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