Lindenberg
«Die letzte große grüne Spielfläche»

Fast 1100 Unterschriften hat eine Bürgerinitiative (BI) für ihr Anliegen gesammelt. Sie will eine Bebauung des Bolzplatzes an der Lauenbühlstraße verhindern. «Wir sind nicht grundsätzlich gegen eine Krippe, nur an diesem Platz», erklärt Kerstin Hörrauff, eine der Sprecherinnen des Bürgerbegehrens in einem Pressegespräch, die Haltung der Initiative.

Bolz- und Spielplatz - Beides als Einheit zu erhalten ist Ziel der Initiative. Kerstin Hörrauff spricht von der «letzten großen grünen Spielfläche mitten in einem Wohngebiet» in der Stadt. Das Gelände werde als Platz zum Spielen und Toben von Kindern und Jugendlichen aller Altersklassen und Nationalitäten genutzt. Zudem beeinflusse die große Grünfläche die Wohnqualität positiv. Für den Bau der Krippe sollen zwar «nur» 1660 der 8800 Quadratmeter überbaut werden, die BI fürchtet aber, dass danach der angrenzende Spielplatz «Stück für Stück verschwindet» (Hörrauff).

Kosten 1,4 Millionen Euro soll der Bau der Krippe kosten. 45 Plätze werden insgesamt entstehen, aber nur 15 zusätzliche, zu den bereits bestehenden Provisorien. Die BI spricht deshalb von einer «Verschwendung von Steuergeldern». Ihr Vorschlag: Die bestehenden Krippen in den Kindergärten erhalten, dafür in «Ruhe nach einer Lösung für die 15 fehlenden Krippenplätze suchen». 2013 muss die Stadt diese zusätzlichen Plätze nachweisen. In der Zeit könne eine für alle Seiten befriedigende Lösung gefunden werden.

Spielothek gegenüber

Alternative Andere Möglichkeiten als den Neubau auf dem Bolzplatz sind nach Ansicht der BI nicht gesucht oder geprüft worden. Sie sieht dabei vor allem die Stadt in der Verantwortung.

Hörrauff und ihre Mitstreiter halten nach Gesprächen mit dem Fachplaner zumindest den Anbau von einer oder maximal zwei Krippengruppen an den Afra-Kindergarten für möglich. Ebenso die Gründung eines Waldkindergartens, wie er in Lindau beispielsweise seit zwei Jahren besteht. Dadurch würde Platz in einem der Kindergärten für eine Krippengruppe frei. Ebenfalls nicht geprüft worden sei, ob sich neben der katholischen Kirche ein anderer Träger für eine Krippe finden ließe.

Krippen Die Krippen in den Kindergärten hält die BI für «funktional». Eine Trennung von Kindergarten und Krippe sei weder aus pädagogischer Sicht noch für die Eltern sinnvoll.

Mütter oder Väter aus der Lindenhöhe müssten beispielsweise nach dem Bau einer zentralen Krippe ihre Unter-Dreijährigen mit dem Auto oder zu Fuß in die Lauenbühlstraße bringen, auch wenn sie ein älteres Kind im St. Nikolauskindergarten haben. Die BI erwartet zudem, dass Kirche und Stadt nach dem Bau der neuen Krippe den Kindergarten St. Martin (bei Mayser) schließen wird, um sich Kosten zu sparen. Die gepachteten Räume würden nach dem Bau einer zentralen Krippe nicht mehr benötigt.

Betreutes Wohnen Die BI befürchtet erhebliche Konflikte, wenn auf der Krippe - wie geplant - zwei Stockwerke für Betreutes Wohnen errichtet werden. Aus ihrer Sicht nimmt die «Kinderkrippe in dem dreigeschossigen Gesamtprojekt nur eine untergeordnete Rolle» ein. Das Betreute Wohnen werde dominieren.

Sie wirft dem Bürgermeister in dem Zusammenhang vor, die Bevölkerung im Unklaren über den Umfang der Gesamtplanung zu lassen.

Neuer Bolzplatz Für die BI ist der geplante neue Bolzplatz mitnichten attraktiver als der bisherige. Die Lage gegenüber einer Spielothek sei alles andere als ideal. «Kinder gehören nicht ins Gewerbegebiet», sagt Uwe Bleymeier, einer der Vertreter des Begehrens. Die Verlagerung dorthin sei alles andere als ein Ausweis einer kinder- und familienfreundlichen Stadt. Die Anwohner an der Lauenbühlstraße hätten sich zudem an den Betrieb auf dem Bolzplatz gewöhnt. Klagen gebe es keine. «Am neuen Platz erwarten wir dagegen Probleme mit Anwohnern wie an anderen Bolzplätzen auch», so Bleymeier.

Informationen Die Bürgerinitiative vermisst auch nach monatelangen Diskussionen in einigen Dingen klare Angaben der Stadt, beispielsweise über den Flächenverbrauch für Rettungswege, Parkplätze, Außenanlagen. (pem)

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