Maierhöfen / Oberstaufen
Die Kunst der «Feuervergoldung»

Seit den ersten Schneetagen dieses Herbstes leuchtet das bislang schwarz angemalte Kreuz auf der 1992 von der Weidegenossenschaft Maierhöfen erbauten Kapelle am Hochgrat golden. Dirk Meyer hat es mit einer alten, in Deutschland bei Neuvergoldungen nicht mehr angewandten Methode zum Glänzen gebracht.

Meyer wohnt erst seit Februar 2008 auf einem kleinen ehemaligen Bauernhof bei Maierhöfen, aber auf den Hochgrat ist er schon gewandert. «Dabei fiel mir das schwarze eiserne Kreuz auf der kleinen Kapelle auf», erzählt er. Bei der Viehscheid sei er mit Mitgliedern der Weidegenossenschaft, deren Jungvieh im Sommer auf den Alpen am Hochgrat weidet, ins Gespräch gekommen. Meyer empfahl die haltbare Vergoldung. «Sie haben den Vorschlag gerne aufgegriffen», erinnert er sich.

Der Goldschmiedemeister und studierte Restaurator beherrscht eine Art der Vergoldung, die nur wenige kennen und noch weniger anwenden: die «Feuervergoldung». Üblich sei eine galvanische Vergoldung, bei der metallischer Untergrund durch Strom vergoldet wird, «das haftet nur lose», so der Fachmann. Und die Blattvergoldung, bei der dünngeschlagenes Goldblech aufgeklebt wird, ist noch weniger haltbar.

«Wenn das Öl, mit dem aufgeklebt wird, trocken wird, löst sich das Blattgold. Deshalb werden viele Kugeln auf Kirchtürmen bald matt», sagt er.

Meyer, der eine Amtsperiode Präsident des «Bundesverbandes Restauratoren im Handwerk» war, ist sich sicher, dass erstmals seit rund 150 Jahren wieder ein neues Kreuz in Deutschland feuervergoldet wurde. Dabei wird die Goldmischung bei 280 bis 300 Grad auf das Metall auflegiert. Er hat dafür eine eigene Sicherheitsanlage entwickelt, auf die er das Patent hat und die vom Institut für Luft und Kältetechnik - ILK Dresden und vom TÜV geprüft wurde. «Da wird im geschlossenen System legiert», erklärt er. Das Kreuz aus Eisen sei somit umschlossen mit Gold und deshalb auch total konserviert. «Das hält jetzt ein paar Generationen.»

Meyer hat die Feuervergoldung bei den Marienbrüdern in Vallendar gelernt, die nur für die katholische Kirche arbeiten. Nachdem er einige Jahre in Bad Homburg ein eigenes Juweliergeschäft geführt hatte, zog er ins Elsass, da er sich in Frankreich in der Kunst der Feuervergoldung weiterbilden konnte. Nach Maierhöfen kam er, weil seine Frau auf dem Bromerhof eine Stelle als Leiterin der Schwesternabteilung gefunden hat, die Tochter studiert weiter in Straßburg. «Mein Handwerk kann ich überall ausüben», sagt Meyer, er arbeite ohnehin europaweit. Für einen Ravensburger Juwelier entwirft er Goldschmuck und nebenbei bietet er Goldschmiedekurse an. Im Allgäu gefällt es ihm. Obwohl er vorher im schneelosen Elsass gelebt hat, sei er im ersten Winter gut mit dem Schnee zurecht gekommen.

Das frisch vergoldete Kreuz hat Herbert Fink, der Hirte der Unteren Lauchalp auf dem Glockentürmchen der Kapelle montiert. Mit dem Traktor hatte er beim ersten Schnee Goldschmied und Kreuz zur Kapelle, die den Heiligen Isidor und Leonhard geweiht ist, hochgefahren. Im kommenden Jahr soll das Kreuz bei einem Berggottesdienst gesegnet werden.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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