Memmingen
«Die Hoffnung stirbt zuletzt»

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«Wir lassen die Köpfe nicht hängen.» So beschreiben Jochen Keller, Geschäftsführer des Memminger Karstadt-Warenhauses, und der dortige Betriebsratsvorsitzende, Thomas Riedele, bei einem Gespräch mit der MZ die Situation vor Ort.

Zwar sei die Hoffnung auf eine staatliche Bürgschaft über 650 Millionen Euro für den schwer angeschlagenen Mutterkonzern Arcandor (siehe Infokasten) in den vergangenen Tagen geschrumpft. Dennoch wollen die 120 Karstadt-Mitarbeiter in Memmingen weiter um den Erhalt ihres Hauses und ihrer Arbeitsplätze kämpfen. Eine Bürgschaft des Staates oder einen Notkredit der staatlichen KfW-Bank für Arcandor hält Keller für gerechtfertigt. Zwar räumt er ein, «dass Manager-Fehler in der Vergangenheit nicht von der Hand zu weisen sind». Als Beispiel nennt er Marketing-Strategien, die nicht gegriffen hätten. Andererseits habe aber auch die Finanzkrise «die Lage verschärft», da die Kunden jetzt weniger Geld in ihren Portemonnaies hätten.

Zugleich dankt Keller an dieser Stelle ausdrücklich den Memminger Karstadt-Kunden, «die uns immer die Stange gehalten und uns mit Unterschriften im Kampf für den Erhalt der Karstadthäuser unterstützt haben».

Aber selbst wenn der Staat seine Hilfe verweigere und es eine Verschmelzung von Karstadt und Kaufhof gäbe, würde dies nach Kellers Meinung nicht automatisch das Aus für den Memminger Karstadt-Standort bedeuten. «Wir sind seit Jahren ein profitables Haus», begründet der 42-Jährige seine Hoffnung. Und schließlich habe es vonseiten des Handelsriesen Metro - zu dem auch die Kaufhof-Warenhäuser gehören - geheißen, dass keine Karstadt-Filialen geschlossen werden sollen, in denen Geld verdient wird.

Darüber hinaus könnte das Memminger Warenhaus in Kellers Augen von Kaufhof genutzt werden, «um die Fläche zwischen den Kaufhof-Standorten in Ulm und Kempten abzudecken».

Gedrückte Stimmung

Angesichts der wechselnden Nachrichtenlage in Sachen Karstadt-Rettung würden die Mitarbeiter in Memmingen zwar nicht in Panik ausbrechen, «aber die Stimmung ist jetzt gedrückter als noch vor ein paar Wochen», sagt Betriebsratschef Riedele. Gleichzeitig streicht er den Kampfeswillen der Belegschaft heraus, den diese auch bei Demonstrationen in Nürnberg und Berlin gezeigt habe. «Und die Hoffnung stirbt zuletzt», wirft Keller ein.

Unterstützung von politischer Seite bekommen die Karstädter durch Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger. Er wird auf Einladung von Bundesverkehrsminister Tiefensee, der auch für die Stadtentwicklung in Deutschland zuständig ist, am kommenden Montag nach Berlin fliegen. Dort treffen sich alle Rathauschefs der Republik, in deren Städten sich Karstadt-Häuser befinden. In einer gemeinsamen Erklärung werden sie voraussichtlich an die Verantwortlichen appellieren, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Kaufhäuser zu retten.

Laut Keller haben die Hauptanteilseigner von Arcandor, die Privatbank Sal. Oppenheim und die Quelle-Erbin Madelaine Schickedanz, signalisiert, ihren Beitrag zur Lösung des Problems beizutragen

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