AZ-Aktion
Die Helfer in Kemptens bewegtem Untergrund

Um kurz vor 13 Uhr haben Paul Kapanevic und Julia Michajlova zum ersten Mal von der Erasmuskapelle gehört. «Was gibt es denn da unten zu sehen?» wollen sie wissen. Um 13.15 Uhr steht das Paar aus Calv in Baden-Württemberg in den düsteren Gewölben unter dem St.-Mang-Platz. Mal brennen die Gemäuer um sie, mal werden sie mit Steinen verschüttet. Die Effekte sind Teil der Präsentation im Schauraum. Im Eilschritt geht es dabei durch die Geschichte Kemptens - erzählt am Beispiel der Kapellen-Historie.

Dass es den Urlaubern möglich ist, die Attraktion so spontan zu besichtigen, ist dem Engagement der Altstadtfreunde zu verdanken. Einen Tag lang ist AZ-Redaktionsmitglied Frank Eberhard mit von der Partie - im Rahmen der Aktion «Sie wünschen - wir kommen». Daher dauert es an diesem Tag an der Kasse auch mal etwas länger. Trotzdem kommt noch jeder pünktlich zur Vorführung. Auch dann, wenn Besucher neben den Eintrittskarten auch noch ein Heft kaufen - was Kassen-Laien schon vor mittelgroße Herausforderungen stellen kann.

Professioneller geht es zu, wenn Angela Wackenhut oder ihr Mann Rudi an der Kasse stehen. Doch mit dieser Aufgabe ist es für die beiden Altstadtfreunde längst nicht getan. «Man muss viel Informationsarbeit leisten», sagt Angela Wackenhut. Besonders hilfreich ist ihrer Meinung nach die Ausstellung in der St.

-Mang-Kirche. Dort können sich die Besucher zusätzlich über die Geschichte des Platzes informieren. Zudem bringt es viele Passanten überhaupt erst auf die Idee, die Erasmuskapelle zu besichtigen.

Römische Münzen und Patronen

Im Schauraum selbst läuft alles automatisch. Und trotzdem geht es nicht ohne rührige Helfer. An diesem Tag hat Saskia Sollner die Aufsicht. Sie begrüßt die Gäste in der Unterwelt und bereitet sie auf die Präsentation vor. Ebenso erklärt die 34-Jährige, wie der Fund-Tisch funktioniert. Anhand jeder Menge Informationen zu römischen Münzen bis zu Patronen aus dem Zweiten Weltkrieg durchlaufen die Besucher daran schon die erste Zeitreise.

Noch anschaulicher wird es bei der Präsentation. Wenn Projektoren verschiedene Effekte und Bilder auf die jahrhundertealten Gemäuer werfen. Wenn eine Stimme den Wandel des Gebäudes skizziert: vom Beinhaus zur Kapelle, zur Trinkstube, Schützengraben, Ruine und schließlich zum Schauraum.

Nach der Vorführung ist Sollner wieder gefragt. Die Helferin bietet dem, der es will, zusätzliche Informationen. Auf die Frage, warum sie ihre Freizeit opfert, überlegt sie nicht lange: «Ich war schon bei den Ausgrabungen dabei.» Und als der Schauraum eröffnet wurde, stand für sie fest, dass sie mitwirken will.

14 Aufsichten gibt es insgesamt. Nur der kleinere Teil davon gehört zu den Altstadtfreunden. «Die meisten sind Anwohner oder andere engagierte Bürger», sagt Rudi Wackenhut, der das Personal einteilt. Ab März sagt er, könnte er noch mehr Leute brauchen. Dann gibt es sechs Mal in der Woche eine Zeitreise in Kemptens Untergrund.

(Mit diesem Beitrag schließen wir die Aktion «Sie wünschen - wir kommen» ab.)

 

AZ-Redaktionsmitglied Frank Eberhard (links) half einen Tag bei den Altstadtfreunden in der Erasmuskapelle mit. Auf unserem Bild rätselt er mit den Besuchern Wolfgang und Annika Kleinert sowie Claudia Koch über Zeichen in der Wand. Foto: Ernst

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