Memmingen
«Die Hand sitzt mittlerweile locker»

Prügelattacken, Nasenbeinbrüche, Pöbeleien - immer öfter hat es die Polizei mit aggressiven Zeitgenossen zu tun. «Die Gewaltbereitschaft ist zum gesellschaftlichen Problem geworden», sagt Eberhard Bethke, Leiter der Polizeiinspektion Memmingen.

Nach seinen Worten haben zwar die schweren Körperverletzungen (siehe Infokasten) in diesem Jahr um 29 Prozent abgenommen. So tauchten im vergangenen Jahr in der Memminger Kriminalstatistik 118 Fälle auf. In diesem Jahr waren es 84. Dagegen seien die so genannten leichten Körperverletzungen - also Rangeleien, Ohrfeigen und Prügeleien mit Faustschlägen und Tritten - um etwa 21 Prozent angestiegen. «Von 212 auf 256 Delikte», betont Bethke: «Die Hand sitzt mittlerweile locker, das macht uns Sorgen.» Wie dieser Anstieg zu erklären ist, kann der Inspektionsleiter nicht sagen.

Die Körperverletzungen finden oft am Wochenende statt und meist in Verbindung mit Alkohol. «Männliche Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren sind daran schwerpunktmäßig beteiligt», so Bethke. Hahnenkämpfe und Nichtigkeiten seien oftmals Motive für die Übergriffe. «Alkoholmissbrauch bei Partys, in Bars oder an öffentlichen Plätzen führt zu Enthemmungen. Die Jugendlichen diskutieren nicht mehr, sondern schlagen schneller zu.»

Die Polizei informieren oftmals Außenstehende. «Beteiligte haben selten Interesse daran, die Schlägerei anzuzeigen», sagt der Inspektionsleiter. Denn oft könne man gar nicht klären, wer mit den Streitigkeiten angefangen hat. Und wenn Polizeibeamte zu Vorfällen gerufen werden, zeigten sich Jugendliche oft respektlos. Allerdings habe laut Bethke körperlicher Widerstand gegenüber seinen Männern und Frauen im Jahr 2009 abgenommen.

Keine Gefahr für Bürger

Darüber hinaus unterstreicht er, dass Bürger, die im Stadtgebiet unterwegs sind, keine Angst haben müssten. «Denn die Körperverletzungen beschränken sich auf bestimmte Personenkreise.» Außerdem sei die Polizei mittlerweile stärker präsent. «Beamte gehen öfter durchs Stadtgebiet und wir setzen Zivilstreifen sowie Kräfte der Sicherheitswacht ein.»

Aus diesem Grund seien auch Sachbeschädigungen um 14 Prozent von 549 auf 473 zurückgegangen. «Die überwiegend jugendlichen Täter finden es zwar immer noch witzig, Straßenlaternen mit einem Stein auszuschießen, Briefkästen von der Wand zu reißen und Blumenkästen umzuwerfen», sagt Bethke. Neue Vorschriften, wie etwa ein Alkoholverbot in öffentlichen Grünanlagen, würden aber helfen, die Zahl der Delikte einzudämmen.

«Außerdem schreiben wir bei Verstößen die Personalien der Jugendlichen auf», erzählt der Inspektionsleiter: «Und wenn dann in bestimmten Gebieten Sachen kaputtgemacht werden, bekommen diese jungen Leute Besuch von der Polizei.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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