Stipendium
Die große Freiheit

Mit dem Erasmus-Programm der EU konnte Lena-Marie Haltmayr für ein Praktikum in die Niederlande. Die vier Wochen im Ausland haben für sie vieles verändert

Der März 2015 hat für Lena-Marie Haltmayr alles verändert. Schon immer waren der 20-Jährigen ihre Wurzeln wichtig; sie liebt es, durch die Allgäuer Natur zu streifen. Ihre Wurzeln bewahrt sie sich noch immer. Doch nun wachsen ihre Äste in eine andere Himmelsrichtung: Sobald sie ihre Ausbildung in Kempten abgeschlossen hat, will sie wieder in die Niederlande. Diesmal für ein ganzes Jahr.

Haltmayr absolviert an der Kemptener Fachhochschule (FH) die Ausbildung zur Erzieherin. Im Frühjahr 2015 ging sie für ein vierwöchiges Praktikum ins niederländische Swalmen, einer Kleinstadt an der Grenze zu Deutschland. Bezuschusst und organisiert hat das das Erasmus-Plus-Programm der EU.

Von allein wäre ich nie auf die Idee gekommen, sagt Haltmayr. Doch die FH stellte mehrere Ziele vor, die für die Kemptener von Erasmus angeboten werden: Spanien, Wales, Finnland und Holland. Weil sie den niederländischen Geiger André Rieu bewundert, war für sie schnell klar, wohin es gehen soll. Wie jährlich über hundert Kemptener Studenten entschied sie sich, ins Ausland zu gehen.

In Holland angekommen, war Haltmayr, die im Allgäu bei ihren Eltern wohnt, schnell von der plötzlichen Freiheit begeistert. Mit zwei anderen Erasmus-Praktikantinnen teilte sie sich eine Wohnung ohne Küche. Auf zwei kleinen Herdplatten kochten sie sich fast täglich dasselbe Gericht, Reis mit Gemüse.

Auch wenn vier Wochen keine allzu lange Zeit sind - im Ausland zu leben, dort zu arbeiten: Das ist eine Erfahrung, die sich einbrennt. Für Haltmayr ist vor allem eines geblieben: Der Wunsch dorthin zurückzukehren; für ein Jahr als Au-pair, vielleicht für länger.

Doch auch anderes bleibt nach einem Erasmus-Aufenthalt hängen. Das Gefühl, wie es ist, wenn man sich nicht verständigen kann; wenn man als Einziger die Sprache nicht beherrscht. Ich habe gelernt, mit Händen und Füßen zu sprechen. Die Kinder der Einrichtung, in der Haltmayr arbeitete, nannten ihr die Namen von Dingen, auf die sie zeigte.

Weil Holländisch dem Deutschen recht ähnlich ist, hat sie sich so bald mitteilen können. In der Schülerbetreuung, in der Haltmayr nun im Oberallgäu arbeitet, betreut sie auch zwei serbische Kinder, die kein Deutsch sprechen. Durch ihre eigene Erfahrung bestärkt, ermutigt die 20-Jährige nun die einheimischen Kinder, viel mit den beiden zu sprechen und dabei Hände und Füße zu verwenden.

Nur so können die beiden Deutsch lernen. Für Haltmayr ist die Hürde einer fremden Sprache durch ihr Erasmus-Praktikum eine geringere geworden.

Manches, was sie ihren Kollegen während des Praktikums vorschlug, haben diese übernommen. Dort war es normal, Zweijährige zu füttern. Ich sagte: Das können die doch selbst. Doch auch Haltmayr hat sich vieles abgeschaut. So ein Auslandsaufenthalt bereichert einen als Person. Man kann sich aus allen Nationen die besten Eigenschaften herauspicken.

Zwar sind Holland und Deutschland Nachbarn - trotzdem gibt es Unterschiede im täglichen Leben. Aber das ist ja gerade das Gute: Nur so können wir voneinander lernen. Im flachen Holland etwa sei nicht nur die Aussicht offener, auch die Menschen. Einmal saß ich allein in einem leeren Café. Da kam eine fremde Frau und fragte, ob sie sich zu mir setzen könne.

Wir haben uns lange unterhalten. Im Allgäu sei ihr das noch nicht passiert. Mittlerweile hat Haltmayr in Eigenregie Holländisch gelernt. Im Internet verfolgt sie holländische Nachrichten, morgens hört sie im Bad holländische Radiosender.

André Rieu hat sie während ihres Aufenthalts übrigens nicht getroffen. Sie hat sich aber sein Anwesen von der Straße aus angesehen und mit seiner Nachbarin gesprochen. Und wer weiß: Vielleicht trifft sie ihn ja bei ihrem nächsten Besuch.

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