Die Gemüter haben sich nicht beruhigt

Von reinhard Stegen
| Ettringen Es ging einmal mehr um das geplante Ersatz-Brennstoff-Kraftwerk der Papierfabrik Lang in Ettringen. Wer geglaubt hatte, dass sich die Gemüter inzwischen beruhigt hätten, wurde bei einer Protestaktion der Bürgerinitiative 'Gesundes Wertachtal' eines Besseren belehrt. Live übertrug das Bayerische Fernsehen, moderiert von Martin Breitkopf, diese Aktion im Rahmen der Nachrichten-Sendung 'Abendschau'. Und es stellte sich dabei heraus, dass man über die bei solchen Vorhaben gutachterlich prognostizierten Emissionen trefflich streiten kann.

Feinstaub aus Schornsteinen

Nach Unternehmensdarstellung ist nach der Planungsüberarbeitung nun ein Optimum sowohl im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit der Anlage als auch Effizienz und Umweltschutz erreicht worden. Vertreter der Bürgerinitiative 'Gesundes Wertachtal' bestritten dies vehement. Sie wiesen auf die zu erwartende hohe Feinststaubbelastung und die Anreicherung von nicht oder schwer abbaubaren Umweltgiftstoffen wie Dioxin über die Jahre auf den landwirtschaftlichen Flächen hin, auch wenn die gesetzlich vorgeschriebenen Emissions-Grenzwerte eingehalten oder unterschritten würden. Projektleiter Martin Heinrich hielt dagegen, dass der Feinstaub aus den Schornsteinen der Privathaushalte die Umwelt weit mehr belaste.

Ettringens Bürgermeister Robert Sturm bereitet die Tatsache Bauchschmerzen, dass wegen des vorgesehenen nun kleineren Heizkessels von 55 Mega-Watt die Deponie mit ihren bedenklichen Altlasten nicht beseitigt werden soll - das Kraftwerk soll direkt daneben gebaut werden. Lang-Betriebsratsvorsitzender Joachim Schmid rief die Bürgerinitive zum Einlenken auf, weil sonst der Standort und die Arbeitsplätze gefährdet seien.

Breitkopf thematisierte die Papierfabrik auch als Müll-Staubsauger. Werksvertreter Rudolf Schreivogel und Martin Heinrich bekräftigten, dass die in Frage kommenden Reststoffe (Kunststoffabfälle, Abfälle aus der eigenen Produktion und Klärschlamm) aus einem Umkreis nicht größer als 150 Kilometer angefahren würden.

Das bezweifelte Martin Kleint von der Bürgerinitiative, denn 'bei 80 derartiger geplanter oder bereits im Bau befindlicher Anlagen würde die Versorgung mit Plastikmüll allein aus Deutschland nie ausreichen'. Zudem mahnten die Kraftwerksgegner die Wiederverwertung des sogenannten Abfalls an.

Als Rudolf Schreivogel die neue Planung auch als einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz verstanden wissen wollte, erntete er Pfiffe der gut 400 Protestteilnehmer. Eine Annäherung der gegensätzlichen Standpunkte gab es nicht. Dabei ist die revidierte Planung der Öffentlichkeit bislang nicht bekannt. Sie soll in Abstimmung mit dem Landratsamt nach der Sommerpause in den betroffenen Gemeinden zur Einsicht ausgelegt werden.

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