Oberstdorf-Tiefenbach
Die ganze Vielfalt der Gitarre: Klassisches und Feuriges

Noch einmal wendet Muhammad XII. seinen Blick, betrachtet betrübt die ehemals heimischen Zinnen der Alhambra und beginnt leidvoll zu weinen. Heinrich Heine beschreibt in seinem Gedicht «Der Mohrenkönig» den Abschiedsweg des letzten Sultans von Granada, nachdem er ins Exil vertrieben wurde. Doch während jener Herrscher verzweifelt, hebt seine Geliebte zu tröstenden, stärkenden Worten an. «Recuerdos de la Alhambra» - Abschied von der Alhambra. Es erklingt in diesem Sinne die wunderschöne, traurige Melodie von Francisco Tárrega zittrig im Konzertsaal der Alpenrose in Tiefenbach, wo Wolfgang Mayer sein Sologitarrenkonzert «Viva la Guitarra» gibt.

Es war ein Abend an dem Mayer versprach, die ganze Vielfalt der Gitarre zu zeigen, und teilte hierzu sein Konzert in zwei Hälften: Während im zweiten Teil Tangos, Flamencos oder Milongas zu hören waren, präsentierte er im ersten Teil vornehmlich Werke der klassischen Gitarrenliteratur. So bot er neben einer Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs meisterhaften «Chaconne» aus der «Partita Nr.2 d-Moll» für Violine solo und Nicolò Paganinis virtuosen Variationen über das berühmte und viel verwendete Motiv des «Karneval von Venedig», auch zwei Stücke des bewunderten paraguayischen Komponisten Agustín Barrios Mangoré. Als Höhepunkt war eine Solofassung des bekannten Gitarren-Konzertes «Concierto de Aranjuez» von Joaquin Rodrigo angekündigt. Auch hier stand der beliebte zweite Satz «Adagio» im Mittelpunkt, der nach dem stürmischen Fandango einen langsam getragenen Klagegesang darstellt.

Zu schnelle Tempi

Bei vielen dieser Stücke allerdings stellte sich dem Zuhörer bisweilen die Frage, ob Wolfgang Mayer bei seinen klassischen Interpretationen nicht zu viel anstrebte und auf Kosten der Qualität, des Klangs, der perfektionierten Intonation zu schnelle Tempi wählte. Der zweite Teil jedoch erfreute dafür deutlich mehr. Denn zu dieser Musik passt nicht nur Mayers härtere Spielweise besser, sondern vor allem kommt sein Gesangstalent hierbei zur Geltung.

Nun waren berühmte Melodien wie Sebastian Pianas «Milonga Sentimental» oder Francisco Repilados Liebesballade «Chan Chan» zu hören, bei der Mayer sein Klangspektrum durch perkussionistische Einlagen am Resonanzkörper der Gitarre erweiterte. Es ist seine kräftige Stimme, die auf dem Grund der Gitarrenklänge das Feurige der Musik Lateinamerikas verkörpert und diesen Abend in Tiefenbach ausfüllte.

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