Weiler-Simmerberg
«Die Form muss halt passen»

Andorra also. «Es gibt da wohl hohe Berge», meint Jonas Schlachter und grinst ein wenig schelmisch. Es ist natürlich nur Spaß. Der 18-Jährige weiß sehr wohl, dass der Zwergstaat, der kaum mehr Einwohner als der Landkreis Lindau hat und zwischen Spanien und Frankreich liegt, an die Pyrenäen grenzt. Und dort trifft sich nächste Woche die Weltelite der Skibergsteiger, um in verschiedenen Klassen die WM-Titel zu vergeben. Jonas Schlachter greift in der Juniorenwertung an. Weil er als einer der Jüngsten in der Klasse der 18- bis 20-Jährigen startet, hat er seine Ziele bescheiden angesetzt. «In die Top 15» will er fahren, in einem etwa 30-köpfigen Starterfeld. «Die Grundlagen sind da. Die Form muss halt passen», sagt der Simmerberger, der für die DAV-Sektion Weiler startet. Abflug ist heute.

Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft schaffte der Zwölftklässler, der die FOS in Lindau besucht, durch den zweiten Platz bei der deutschen Meisterschaft im Aufstieg, Platz 9 im Team-Weltcup zusammen mit seinem Partner Maximilian Seebeck (München) und zuletzt einen vierten Rang bei der deutschen Meisterschaft. Ein Materialdefekt hat ein besseres Abschneiden verhindert. «Meine Bindung ist gebrochen. Das soll keine Ausrede sein, aber die letzte Abfahrt musste ich im Telemark fahren. Ich war gut dabei - wenn das nicht passiert wäre, dann wäre der zweite Platz drin gewesen. Aber so etwas kommt eben vor im Sport», sagt der Skibergsteiger achselzuckend, der bereits vor zwei Jahren bei der Junioren-WM starten durfte und mit Platz 9 bester Deutscher war.

In den Pyrenäen erwartet Jonas Schlachter in etwa die gleichen Bedingungen wie in den Alpen: Anstiege über 1000 Höhenmeter, steile Abfahrten und anspruchsvolle Tragepassagen, in denen der Ski eben in die Hand genommen werden muss. «Meine Stärken liegen in der Abfahrt», weiß der Schüler, der früher alpine Rennen gefahren ist.

«Man muss schon investieren», sagt er über seine Sportart, die von manchen seiner Mitschüler als «Spinnerei» abgetan wird, wie er erzählt. Gut 3000 Euro kostet eine Rennausrüstung. Zum Glück hat er einen Skisponsor, und die Klamotten bekommt er auch gestellt. Doch der Verband achtet nicht nur darauf, dass seine Sportler das richtige Outfit haben. Geübt wird auch der richtige Umgang mit der Natur und ihren Gefahren. «Lawinen sind ein großes Thema», sagt Jonas Schlachter.

Ein Piepser ist selbst im Training natürlich Pflicht, es gibt regelmäßig Lehrgänge für die Suche und das Ausgraben von Verschütteten. Dennoch sind Unglücke nicht ausgeschlossen. «Letztes Jahr ist einer aus dem Jugendkader unter eine Lawine geraten. Er hat es nicht überlebt», sagt der 18-Jährige nachdenklich. Umso wichtiger sei es, sich vor dem Gang auf die Piste gut vorbereiten: «Das Lesen des Lawinenlageberichts ist vorher Pflicht.»

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