Die Felchen im Bodensee-Tatort waren Forellen

Wasserburg/Konstanz | mb | Gut unterhalten haben sich die Fischer vom bayerischen Bodensee beim Tatort 'Der Kormorankrieg', auch wenn das Bild vom Bodenseefischer 'völlig überzogen' sei. Die im Film am Sonntagabend geschilderte gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Fischern, die Kormorane hassen, und Umweltaktivisten, die sie schützen wollen, habe mit der Wirklichkeit nichts zu tun.

Roland Stohr aus Wasserburg hat den Tatort am Sonntag mit dem professionellen Blick des Bodenseefischers gesehen und gleich festgestellt: 'Es sind keine Felchen!' Bei den Fischen, die die Fischer in dem Krimi aus den Netzen gezogen und anschließend verspeist haben, habe es sich um Forellen oder Saiblinge gehandelt, denn 'das Fleisch war rot und Felchen sind weiß'. Und so wie dieses Detail nicht gestimmt habe, so ist für ihn auch der gesamte Tatort zwar 'unterhaltsam'. Er habe aber nicht viel mit der Wirklichkeit der Bodenseefischer zu tun.

Geradezu abwegig nennt er zum Beispiel die Idee der Fischer im Film, nachts Phosphatdünger im See zu verklappen, um das Wachstum der Felchen zu beschleunigen. Und auch die Auseinandersetzung zwischen Vogelschützern und Fischern hält er für überzogen. Im 'Kormorankrieg' ist dieser Streit der Hintergrund für eine Geschichte um militante Umweltaktivisten, gewalttätige Fischer und ein Eifersuchtsdrama, das schließlich zum Mord führt.

Vogelschützer nur einmal mit dem Fernglas gesehen

In Wirklichkeit, sagt Stohr, habe er noch nie mit Vogelschützern zu tun gehabt. 'Einmal haben wir einen mit dem Fernglas gesehen', berichtet er, aber mit dem hätten die Fischer sich weder unterhalten, 'geschweige denn geprügelt'.

Mit dem Schlusssatz des Tatorts, 'der See muss leben', ist er nicht besonders glücklich. Denn damit sind im Film auch die Kormorane gemeint, die den Fischern auf dem gesamten See gewaltig Ärger machen. Für die Fischer ist es eindeutig so, dass die Räuber, die sich seit einigen Jahren ganzjährig am Bodensee eingenistet haben, 'nicht hierher gehören'.

'Wir Fischer haben zwar gewaltig unser Fett abgekriegt', sagt er. Aber insgesamt findet er den Bodenseefischer Gasser, eine der Hauptfiguren im Film, 'ganz gut getroffen'. Er sei ein realistischer Typ, eher einsilbig und 'hagebuchen' - 'solche Fischer kenn ich auch'.

Stohrs Kollege Norbert Knöpfler aus dem württembergischen Langenargen hat den Tatort ebenfalls gesehen. 'Das ist halt Unterhaltung', sagt er dazu. Die Handlung des Films hält er für 'Blödsinn'. Allein die Tatsache, dass aus einem Schilfstreifen, nachdem er abgebrannt ist, Bauland wird, sei 'Quatsch. Das Schilf wächst wieder und fertig.'

Andere fanden die Darstellung der Bodenseefischer in dem Film weniger lustig. Ingo Krämer, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Baden, nannte den Konflikt zwischen Vogelschützern und Fischern 'völlig überspitzt', Wolfgang Sigg, Vorsitzender der Internationalen Bodenseefischer, sagte, die Fischer seien Umweltschützer und er widerspreche dem Bild, 'das da offenbar von den Fischern gezeichnet wurde, ganz entschieden'.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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