Crescentiakloster
Die ehemalige Generaloberin Schwester Adelheid Degendorfer wird 100 Jahre

Sie sitzt in ihrem Zimmer im Krankentrakt des Crescentiaklosters vor einem Tischlein mit Kruzifix, Schwarz-Weiß-Fotografien und Blumen, den Rosenkranz fest von beiden Händen umschlossen, und singt. Mit klarer Stimme, herzergreifend. 'Näher mein Gott zu dir' – ihr Lieblingslied.

Das wurde ihr zu Ehren von ihren Mitschwestern auch am vergangenen Samstag angestimmt. Schwester Adelheid Degendorfer feierte ihren 100. Geburtstag.

Sie ist die zweite Ordensfrau in der 750-jährigen Klostergeschichte, die dieses biblische Alter erreicht. 'Die Kraft kommt vom Herrgott. Er hat immer die wichtigste Rolle in meinem Leben gespielt', erklärt sie ausdrucksstark. Ihre Mutter, eine 'sehr gute Christin', habe sie so erzogen. Geboren wurde die Jubilarin als Maria Theresia Crescentia Degendorfer am 10. Dezember 1911 in Schongau, 'der Stadt auf dem Berge am Lech', wie sie betont.

Als 20-Jährige trat sie 1931 den Franziskanerinnen im Kaufbeurer Crescentiakloster bei. 'Mir ist es immer überall gut gegangen. Am heimischsten habe ich mich aber hier gefühlt', erzählt sie – und sie tut das mit rührender Inbrunst. Obendrein trotz ihrer 100 Lenze so klar und rege, dass es den Gegenüber ein ums andere Mal fasziniert, gar verblüfft.

Sie erzählt von ihrer Zeit als Pfarrjugendleiterin in Obergünzburg (1934 bis 1945), von ihrer Arbeit im Schülerhort und in Kindergärten, als sie in der Klosterfiliale zu Kempten lebte (1945 bis 1952). Wie sie später trotz diverser Widerstände das Marienheim an neuer Stätte in der Josef-Landes-Straße mit aufbaute und schließlich dessen Leitung übernahm. Sie habe dort 'Tag und Nacht' gewirkt. 'Zu jungen Leuten hatte ich immer einen guten Draht', sagt Schwester Adelheid.

Auch zu ihren Mitschwestern: Die wählten sie 1971 zur Generaloberin, bis 1983 stand sie dem Kloster vor. Gut in Erinnerung geblieben ist ihr das Mysterienspiel 1982 zum 300. Geburtstag Crescentias – ihrem 'großen Vorbild in Gottes- und Nächstenliebe und sozialer Einstellung zu Notleidenden'.

Die Einübung und Aufführung des Spiels damals bezeichnet sie als ihre 'Hauptleistung'. 'Viele sagten: Das wird nichts. Wir haben trotzdem gespielt – und es war gut. Einen Dickschädel habe ich schon auch', räumt die Ordensfrau ein.

Neben Gott findet sie 'festen Halt' bei ihren Mitschwestern, 'intelligente, fromme und sympathische Leute'. Ein derart hohes Alter zu erreichen, hänge davon ab, welche Menschen man um sich hat, erläutert sie. 'Sie ist aber auch voller Begeisterung, in dem was sie tut, sehr kraftvoll, in Gott verankert', sagt die jetzige Generaloberin Schwester Regina Winter.

Grenzenloses Vertrauen

'Mein Vertrauen ist grenzenlos. Ich hoffe, dass ich mit seiner Gnade mein Leben so beschließen kann, dass ich das Gericht des ewigen Richters bestehe', wünscht sich Schwester Adelheid – und umklammert fest den Rosenkranz. Wer würde daran jemals zweifeln.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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