Fischen
Die Dolomiten waren der Knackpunkt

«Ich habe mich durchgekämpft und bin stolz. Die Härte des Rennens lässt sich nicht beschreiben. Ob Monaco Luxus pur ist oder nicht, ist mir heute ziemlich egal. Ich brauche jetzt nur noch ein Bett.» Als Michael Gebert (28) aus Fischen diese Sätze mehr herausschnauft als dass er sie spricht, hat er in der Tat keine Augen für Spielcasino oder Yachten - er ist einfach nur geschafft.

Zwölf Tage war der Extremsportler aus dem Oberallgäu bei der diesjährigen «Red Bull X-Alps» (siehe Infokasten) unterwegs, um mit Gleitschirm und Bergschuhen die Alpen von Salzburg über sieben Zwischenziele nach Monaco zu bezwingen. Wobei diese «Zwischenziele» nicht irgendwelche Etappen markieren, sondern so klangvolle Namen tragen wie Watzmann, Großglockner, Marmolada, Matterhorn, Mont Blanc und Mont Gros. Auto, Bergbahn oder offizielle Ruhestunden gehörten dagegen nicht zum Programm. Michael Gebert ist bis Val d' Isere gekommen, dann war für ihn das Zeitlimit erreicht.

Nach seinem fünften Platz von 2005 und seiner verletzungsbedingten Aufgabe 2007 wurde er diesmal Sechster und zog ein positives Fazit: «Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden, obwohl bis zu Platz drei nicht viel gefehlt hat.» Am Ende trennten den Fischinger nur rund 20 Kilometer vom Treppchen.

Umweg übers Matterhorn

Neben der körperlichen Verfassung entscheiden vor allem auch die Routenwahl, die Taktik und das Wetter über das Resultat. Gebert erlebte Höhen und Tiefen. Die Dolomiten waren für ihn ein Knackpunkt auf dem Weg nach Monaco, vor allem der nächtliche Anstieg auf die Marmolada. Aber auch das neu eingeführte Etappenziel Matterhorn habe einen Umweg erforderlich gemacht. Sehr zu schaffen machen den Extremsportlern auch die kurzen Ruhepausen.

Gebert: «Man bekommt sehr wenig Schlaf, im Durchschnitt vielleicht drei bis vier Stunden pro Nacht, ist also 20 bis 21 Stunden unterwegs - das schlaucht brutal.» Festgestellt hat der 28-Jährige außerdem, dass der Wettbewerb immer härter, die Konkurrenz immer stärker und das Material immer besser werden.

Doch gerade die stets steigende Herausforderung macht für Gebert die besondere Faszination des Wettbewerbs aus. «Auch selbst Entscheidungen treffen zu müssen, mit eigener Kraft die lange Strecke hinter mich zu bringen und bis an meine Grenzen zu gehen reizt mich.» Auch wenn blutende Blasen an den Füßen und Schlafmangel zum «Alltag» gehören.

Unterstützt wurde Michael Gebert während des Rennens von seinem alten Schulkameraden Florian Schellheimer. Er fuhr mit dem Bus hinterher, versorgte Gebert mit Klamotten und Essen und studierte die Wetterkarten. Am Matterhorn meinte es Petrus gut. Es ging hoch bis auf 4000 Meter; für Gebert «das schönste Erlebnis im Wettkampf.»

2011 will der Fischinger wieder bei den «Red Bull X-Alps» antreten. Um dann seinen großen Wusch zu erfüllen: in zwölf Tagen mit Bergschuhen und Gleitschirm von Salzburg nach Monaco.

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