Allgäu
«Die Chemie muss stimmen»

Wenn psychisch Kranke statt in Heimen in Familien integriert werden, kann das manchmal sehr segensreich für ihr Leben sein. Die zum Beispiel an Depressionen leidenden Patienten fühlen sich besser aufgehoben, haben nähere Bindungen an einen stabilen Familienverband. Deshalb organisiert das Bezirkskrankenhaus (BKH) Kaufbeuren seit Januar 2007 das Projekt «Betreutes Wohnen in Familien» für psychisch kranke ältere Menschen. Dieses ist inzwischen recht erfolgreich. Elf Betroffene konnten schon erfolgreich vermittelt werden. Nach wie vor werden Familien gesucht, die sich daran beteiligen wollen. Wer einen Patienten aufnimmt, erhält circa 800 Euro pro Monat als Aufwandspauschale.

«Ich hatte einen Artikel über das Projekt in der Allgäuer Zeitung gelesen. Das klang ganz interessant, und da ich gerade arbeitssuchend war und auch schon meine Schwiegermutter gepflegt hatte, meldete ich mich», erzählt Brigitte Moritz, die im Dezember vergangenen Jahres eine Patientin bei sich aufnahm. Am Anfang stand eine Vielzahl von Gesprächen. Die potenziellen Bewohner und die Familien müssen genau über das Projekt informiert werden. Denn die Aufgabe ist nicht immer einfach. «Manchmal springen Bewerber auch nach den ersten Gesprächen wieder ab, weil sie merken, dass das nichts für sie ist», sagt Sabine Starkmann, Sozialpädagogin im BKH Kaufbeuren.

Sorgfältige Auswahl

Wenn das Fachteam, bestehend aus drei Sozialpädagoginnen des BKH, für den potenziellen Bewohner dann aber eine geeignete Familie gefunden hat, gibt es ein erstes Treffen zum Kennenlernen. «Wir schauen uns die Familien genau an und machen Hausbesuche», erzählt Sabine Starkmann, «denn man möchte den Schützling natürlich in gute Hände geben.» Wenn alles gut geht, kann der Klient in der Familie zunächst zur Probe wohnen und schließlich dort einziehen.

«Wir achten bei der Vermittlung sehr darauf, dass die Chemie zwischen beiden Parteien stimmt, denn es wäre doch schlimm, wenn man wieder auseinandergehen müsste», erläutert Starkmann. Das Angebot «Betreutes Wohnen in Familien» ist für psychisch kranke ältere Menschen vorgesehen, die keiner akuten Behandlung bedürfen. «Die Betroffenen werden in die Familie integriert und in die Aktivitäten eingebunden.

Das bedeutet Normalität für die Bewohner, sie sind immer dabei und gehören dazu. So etwas gibt es in diesem Ausmaß in keiner anderen Wohnform.»

Und auch die so versorgten Menschen schätzen diese Lebensform. «Man hat richtigen Familienanschluss, was sehr schön ist, aber man kann sich auch mal abseilen, wenn man seine Ruhe haben will», erzählt die Bewohnerin von Brigitte Moritz.

Wer mehr über das Projekt erfahren will oder überlegt, selbst einen älteren psychisch kranken Menschen bei sich aufzunehmen, kann sich bei Sabine Starkmann unter Telefon (08341) 72-2200 informieren.

Anlässlich dieses Modellprojekts findet ab derzeit im Gewölbekeller der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren eine Wanderausstellung mit dem Titel «Normalität als Chance» statt. Der Fotograf Tim Krieger lichtete psychisch kranke Menschen im normalen Alltag mit ihren Gastfamilien ab. Die Ausstellung ist bis 25. September täglich zwischen 8.30 und 16.30 Uhr zu sehen.

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