Bregenzer Festspiele
Die bei den Bregenzer Festspielen auf dem Kopf tanzen

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Bis sie auf der Bühne stehen, ist es ein beschwerlicher Weg. Mit ausladenden weit vom Körper abstehenden Kostümen erklimmen Abby Freeman und Natasha Henry zwei mehrere Meter hohe Leitern in einem engen Schacht. Dann stehen sie auf einer kleinen Plattform. 'Die Aussicht ist beeindruckend', sagt Henry. 'Jedes Mal aufs Neue', ergänzt Freeman. Die beiden und drei ihrer Kollegen haben bei der Oper André Chénier auf der Bregenzer Seebühne den höchsten Arbeitsplatz.

Vor ihnen liegen unten die Zuschauerränge mit dem Publikum, das zu ihnen aufblickt. Dahinter leuchtet in der Abenddämmerung Bregenz, und silhouettenartig zeichnen sich die Bergketten ab.

Auf der anderen Seite umspannt ein Panaroma mit dem Bodensee das Bild, dahinter – bei schönem Wetter – die Sonne, die langsam im Wasser zu versinken scheint.

Nur gesichert an einem Seil tanzen und springen sie in einer der Anfangsszenen auf dem verhüllten Kopf herum. Was von unten leichtfüßig aussieht, stellt die Künstler vor einige Herausforderungen. 'Wir sehen nicht, wo wir hintreten, durch das Tuch', erzählt Abby Freeman.

Sie war schon im vergangenen Jahr hier und hat gemeinsam mit ihrem Mann Melin Larson die Choreografie für den Tanz auf dem Kopf entworfen.

Die Bregenzer Festspiele haben das Unternehmen aus Los Angeles engagiert, das sich auf Stunts, spektakuläre Tänze und Luft-Akrobatik spezialisiert hat.

Die Tanzfläche für die Kopf-Tänzer ist uneben, mal steil, mal flacher, je nach Wetter ist der Untergrund trocken, oder rutschig-nass – und erinnert bisschen an eine Felsformation.

Schritte und Bewegungen ausprobiert und einstudiert haben Abby Freeman, ihr Mann und die Stunt-Crew daher im Joshua-Tree-Nationalpark in Kalifornien. 'Wir haben uns im Studio Tanzelemente überlegt und dann geschaut, was sich auf dem Gelände umsetzen lässt', berichtet Freeman.

Scheinbar schwerelos

Nicht nur die Choreografie beschäftigte das Team. 'Wir haben lange überlegt, wie wir die Sicherung für die Tänzer konstruieren, damit man nicht etwa einen Kran oder ähnliches sieht', sagt die 35-Jährige. Die Lösung: Erst kurz vor dem Auftritt fährt ein Mast aus Metall aus dem Kopf heraus, an dem die Tänzer gesichert sind.

So ist er für die Zuschauer kaum zu sehen, und die Frauen und Männer tanzen scheinbar schwerelos über den Kopf. Nach dem Tanz-Auftritt verschwindet der Mast wieder im Kopf.

Gefährlich ist der Auftritt in luftiger Höhe nicht. 'Wir haben Techniker, die das Wetter die ganze Zeit beobachten. Zieht ein Gewitter auf, müssen wir sofort runter', erzählt Natasha Henry. Denn der Sicherungs-Mast ist aus Eisen, und zieht somit die Blitze an.

Jedes Mal, bevor die Künstler der Stunt-Crew auf die Bühne treten, wärmen sie sich gemeinsam auf. Auf die Kopf-Tänzer machen Dehn- und Kraftübungen. 'Wir tanzen unsere Chorografie vor jedem Auftritt einmal hinter der Bühne', sagt Natasha Henry.

Für die 29-Jährige ist es der erste Sommer in Bregenz. Sie ist eigentlich Tänzerin, in luftiger Höhe zu arbeiten, ist für sie eher ungewöhnlich. Der Tanz auf dem Kopf ist für Henry der schönste Teil des Auftritts. 'Jedes Mal, wenn ich hier oben stehe, denke ich: Ich liebe meinen Job.'

Auch wenn sie im Gegensatz zu Abby Freeman keinerlei Kletter-Erfahrung hat, ist der Kopf-Tanz für sie kein Problem. 'Man braucht viel Körperspannung und Kraft in den Beinen. Wirklich festhalten muss man sich aber nicht.

' Das Gewicht der Tänzer wird von der Sicherung getragen. 'Man spürt es und das ist ein gutes Gefühl', sagt Henry.

Nach ihrem Auftritt auf dem Kopf steigen die Tänzer die zahlreichen Sprossen der Leitern wieder hinunter, tauschen die Kostüme und treten an einer ganz anderen Stelle, um einiges weiter unten, wieder auf die Bühne. Jeder der Künstler hat drei Rollen. Abby Freeman verwandelt sich später in Robespierre.

Bregenzer Festspiele: André Chénier wird noch bis 18. August auf der Seebühne in Bregenz gespielt. Karten: 0043/5574/407-6.

www.bregenzerfestspiele.com

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