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Die Bäckerei der Familie Staiger ist ein echter Familienbetrieb

«Für mich gab es nie etwas anderes. Ich bin rein gewachsen in diesen Beruf.» So, wie er vor einem sitzt und still in sich hinein lächelt, nimmt man ihm das sofort ab. Bäcker, sagt Johann Staiger (53), sei immer schon sein Traumberuf gewesen. Seit fast 40 Jahren steht er nun in der Backstube, sechs, oft sieben Tage die Woche. Neben ihm: sein Vater, mit 77 Jahren der Seniorchef, sein Bruder Hubert und sein Sohn Daniel (21), frischgebackener Bäcker- und Konditorgeselle - bei der Prüfung einer der besten seiner Zunft.

Vorne im Laden verkauft die Mutter Andrea Staiger, während ihre Schwiegermutter Margarete mit ihren 80 Jahren noch immer das Regiment in der Küche hat.

Die Bäckerei Staiger ist ein echter Familienbetrieb. «Der Einzige, der hier in Buchloe noch richtig bäckt und nicht beliefert wird», betont Johann Staiger nicht ohne Stolz. In der dritten Generation wird in der Familie bereits gebacken. Johann Staiger senior gründete den Betrieb in Augsburg, nach zehn Jahren in Lechhausen und weiteren 30 Jahren in Oberhausen übernahm die Familie im Jahr 1999 die ehemalige Bäckerei Merz in der Buchloer Zeppelinstraße samt Filiale in der Bahnhofstraße.

Filiale in Augsburg

Augsburg aber hat die Familie bis heute nicht losgelassen. So unterhalten die Staigers auch dort eine Filiale, die der Seniorchef täglich beliefert - nachdem die Arbeit in der Backstube getan ist. Und die beginnt früh, sehr früh. Schon kurz nach Mitternacht stehen Johann Staiger junior und senior am Ofen und an den Knetmaschinen. Kräftig unterstützt werden sie dabei von Daniel und Hubert Staiger, von zwei Bäckerlehrlingen und einem Konditorlehrling, von einer Konditorin und zwei weiteren Bäckern.

Viele der Rezepte gehen noch auf den Opa zurück, «mit der Zeit haben wir sie aber weiterentwickelt», erzählt Enkel Daniel. Überhaupt: «Wir sind durchaus experimentierfreudig und haben schon Etliches ausprobiert».

Doch nicht immer sei das Ganze von Erfolg gekrönt, «dann muss mans halt wieder ändern oder ganz lassen», schmunzelt Daniel.

In der Backstube mache jeder alles, «schließlich muss ich den ganzen Laden auch schmeißen, wenn mein Vater mal in Urlaub ist», erklärt Daniel. Dabei kann es durchaus auch vorkommen, dass es lauter zugeht. «Das ist doch ganz normal. Wir arbeiten hier unter großem Zeitdruck. Wenns dann nicht so ineinander läuft, wie es soll, wird schon mal geschimpft», berichtet Vater Johann. «Aber spätestens um acht in der Früh ist das dann wieder vorbei», meint der Sohn und grinst.

Früh morgens greift auch seine Mutter, Andrea Staiger, ins Geschehen ein. Nachdem die beiden jüngsten Buben Marc und Tim (zehn und elf Jahre alt) das Haus in Richtung Schule verlassen haben, steht sie im Laden und verkauft Semmeln und Brezen, Kuchen und Brot. «Sicher, es ist schon so, dass unser Beruf unser Leben dominiert und ein wichtiger Bestandteil der Familie ist », räumt Johann Staiger ein, «aber ich glaube auch, dass es jeder irgendwie genießt.»

Zeit fürs Familienleben müsse man sich zwar manchmal beinahe schon «stehlen», aber es blieben immer noch die Nachmittage an den Wochenenden: «Und da machen wir gerne Ausflüge und Dinge wie andere Familien eben auch». Als «großen Vorteil» empfindet Johann Staiger vor allem die kurzen Wege zwischen Backstube, Laden, Café und Wohnung.

Auch seine beiden Jüngsten wüssten so «immer, wo sie mich finden». Und genauso wie der 53-Jährige einst selbst, helfen auch sie schon ab und an im Betrieb mit: «Wenn der Opa am Samstag in der Früh zur Filiale nach Augsburg fährt, steht Tim schon auf der Matte. Da mitzufahren ist für ihn das Höchste», sagt Johann Staiger. Ob auch er eines Tages in die Fußstapfen seines Großvaters und seines Vaters tritt, könne man noch nicht sagen. «Man weiß nie, was passiert», meint der Vater.

Übrigens: Johann Staigers Zweitältester, Manuel (18), lässt sich auch gerade ausbilden - zum Bäcker in einem Betrieb in Bobingen.

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